
Ein Roadtrip durch Bayerns Berge
Manchmal braucht’s gar keinen ausgeklügelten Plan – nur dieses Kribbeln, das sagt: Raus jetzt. Ende September war genau so ein Moment. Der Sommer winkte ein letztes Mal, die Luft bekam schon dieses leichte Herbst-Knistern und in den Wäldern glühten die ersten Blätter gelb. Perfektes Timing, um Freundin, Hund und Kamera einzupacken und spontan in den Camper zu hüpfen. Unser Ziel? Irgendwo im Süden Bayerns – da, wo sich Nebel und Sonne morgens noch nicht so ganz einig sind und jede Pause zur potenziellen Kaffeepause mit Aussicht wird. Platz im Camper war wie immer knapp, also habe ich bei der Fotoausrüstung aufs Wesentliche gesetzt: 28-70mm, 100-400mm und ein 17mm fürs Weite. Drei Brennweiten, die fast alles mitmachen. Und los ging’s.

Am Königssee angekommen, begrüßte uns genau das Wetter, das ich mir für eine Fototour wünsche: bewölkt und ruhig, quasi wie ein gigantischer Softbox-Himmel. Dieses diffuse Licht, das die Landschaft gleichmäßig umarmt, ohne harte Schatten oder grelle Highlights. Die Berge tauchten nur als schemenhafte Silhouetten im Dunst auf, während wir Richtung Obersee tuckerten. An der Kamera hatte ich das 28–70mm – mein Allrounder, wenn ich keinen Nerv auf Objektivwechsel habe. Und was soll ich sagen: Die Ausbeute des Tages war sehr zufriedenstellend. Vielleicht sogar mehr als das.


Am nächsten Morgen dann das komplette Gegenteil im Klausbachtal: blauer Himmel, ein paar dekorative Wölkchen, alles wie aus dem Wanderkatalog. Wir machten uns auf den Weg zur Alm und ich blieb gemütlich beim 28-70mm. Der Plan: traumhaften Kaiserschmarren essen. Die Realität: Almabtrieb. Also alles leer, Zäune offen, Kühe irgendwo unterwegs. Macht nix – wir hatten Snacks dabei und das Bergpanorama als Nachtisch. Am Ende besser als jeder Kaiserschmarren. Und zwischendurch zog sogar noch etwas Nebel zwischen den Bergen hindurch. Es war perfekt.

Der Hintersee präsentierte sich am darauf folgenden Morgen wie ein Meditations-Intro. Glattes Wasser und absolute Stille. Ein Moment, der nach Kamera schreit. Und dann dieser Zauberwald – feucht und grün, fast zu schön, um echt zu sein. Zeit fürs 17mm Weitwinkel, das mich gefühlt mitten ins Bild teleportiert hat. Moos, Steine, Wasserrauschen – ein kleines Natur-Kino. Ich hüpfte am Ufer herum wie ein Kind, das seinen Lieblingsspielplatz wiederentdeckt. Bayern, ganz ehrlich … wie schön bist du eigentlich?


Die Wimbachklamm war danach das komplette Kontrastprogramm. Laut, wild und kraftvoll. Die Wassermassen donnerten durchs Tal, aber wir hatten die ganze Klamm für uns allein. Ein seltenes Glück. Mit dem 28-70mm und dem 17mm im Wechsel suchte ich nach Linien, Mustern und kleinen Momenten, in denen sich das Chaos für eine Sekunde beruhigte. Der Holzweg entlang der Klamm eignete sich dafür perfekt. Für mich das erste richtige Highlight unserer Tour.

Die Partnachklamm hat am nächsten Tag aber nochmal ordentlich nachgelegt. Es regnete ununterbrochen, aber hey – wenn man schon da ist, wird nicht umgedreht. Der Wald hielt das Gröbste ab und wieder wartete dieses traumhafte diffuse Licht auf uns. Als wir in der Klamm ankamen, schoss das Wasser wirklich aus allen Richtungen – oben, unten, seitlich, frontal. Ich war selten so froh über Regenjacken und wetterfestes Equipment. Die Location selber wirkte fast wie aus einer anderen Zeit – wären da nicht die Menschenmassen gewesen. Dank des Weitwinkels konnte ich auch auf engem Raum die Klamm in ihrer ganzen Schönheit einfangen. Im Vergleich gewann für uns am Ende trotzdem die Wimbachklamm: weniger Drama, mehr Ruhe.


Am Eibsee gab’s dann mein absolutes Lieblingswetter: Nebelsuppe deluxe. Klar: Für Bergansichten ist das eher suboptimal. Aber für die Stimmung war es perfekt. Der See lag still und mystischzu unseren Füßen, während der Wald noch im Tiefschlaf lag. Ich entschied mich erneut für das 28-70mm, hatte aber das 100-400mm noch mit am Start, um ein paar Details in der Ferne auszukundschaften.

Wir suchten trotz des Nebels die wohl bekannteste Aussicht auf die Zugspitze, was nicht ganz so einfach war, wie gedacht. Doch nach einer guten halben Stunde standen wir am Spot und für den Bruchteil einer Sekunde schob sich der Nebel etwas beiseite und wir durften einen kleinen Blick auf die Zugspitze erhaschen. Auch wenn der Großteil im Verborgenen blieb, schmeckte unser Frühstück mit dieser Aussicht besonders gut.

Am nächsten Tag kam das große Finale. Wer mich kennt, weiß: Blauer Himmel ist so gar nicht mein Ding. Aber an diesem einen Tag habe ich Sonnenwetter regelrecht herbeigewünscht. Wir wollten zum ersten Mal auf die Zugspitze – ja, okay, bequem mit der Gondel, die Kletterkarriere kommt bei mir definitiv nicht mehr. Und tatsächlich: Als wir am Parkplatz ankamen, strahlte der Himmel in einem Blau, das schon fast kitschig wirkte. Erste Gondel, rein und hoch … und ich gebe zu: ein bisschen mulmig wurde mir bei der Höhe schon. Oben ereilte uns dann Sprachlosigkeit pur. -11 °C, Wind im Gesicht, Sonne im Rücken und ein Panorama, das man nicht so schnell wegsteckt. Ich wechselte zwischen 28-70mm und 100-400mm, um wirklich jedes Detail mitzunehmen. Einer dieser Tage, die sich unauslöschlich ins Gehirn einbrennen.

Zum Abschluss unserer Reise ging’s an den Geroldsee – ganz früh, als alles noch still und in Nebel gehüllt war. Es waren keine Berge zu sehen, nur ein Meer aus Weiß. Ein bisschen schade war es schon, denn eigentlich wollten wir den Sonnenaufgang vor der Bergkulisse festhalten. Aber gut: dann eben Details statt Drama. Ich blieb beim 28-70mm und suchte nach kleinen Strukturen, bis plötzlich ein kleines „Gespenst“ im Nebel auftauchte. Wer da wohl unterwegs war?

Als wir am Ende wieder im Camper saßen, war der Kopf voller Bilder und der Rucksack voller Erinnerungen. Und einmal mehr wurde mir klar: Beim Reisen und Fotografieren geht’s nicht um das perfekte Licht oder den perfekten Plan. Es geht darum, offen zu bleiben – für Wetter, für Stimmung, für spontane Überraschungen. Manchmal ist das beste Foto jenes, das einfach passiert. Genau deshalb liebe ich solche Touren: Sie zeigen, dass weder das Leben noch das Licht perfekt sein müssen, um einfach großartig zu sein.
Verwendete Objektive:
- Sigma 17mm F4 DG | Contemporary
- Sigma 28-105mm F2.8 DG DN | Contemporary
- Sigma 100-400mm F5-6.3 DG DN OS | Contemporary
Die Autorin
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