Was ein runder Ball bedeuten kann © Anton Baranenko

Was ein runder Ball bedeuten kann

Uganda – das Land im Herzen Afrikas ist vermutlich nicht der erste Einfall, den man hat, wenn man Afrika hört. Und noch weniger ist es für viele ein Reiseziel für den Sommerurlaub mit der Familie. Touristisch nicht sehr erschlossen, mit einem durchschnittlichen jährlichen Bruttonationaleinkommen von 840$ je Einwohner von Armut geprägt und außer der Hauptstadt Kampala war mir zuvor auch nicht richtig bewusst, was „das grüne Land“, wie die Menschen aus Uganda ihr Land stolz nennen, zu bieten hat. Genau da beginnt der folgende Einblick in eine Reise voller tiefgreifender Begegnungen, umwerfender Natur und zahlreicher echter Emotionen, eingefangen mit 24 und 50 Millimetern. 

Was ein runder Ball bedeuten kann © Anton Baranenko

Zwischen Straßenlärm und Schulbildung 

Meine Reise begann im Juli 2023 – nun ja, die Planung dafür – als ich wieder Kontakt mit einem ehemaligen Kommilitonen aufnahm. Er war bereits seit vergangenem Jahr als Freiwilliger an einer lokalen Fußball-Akademie für Kinder und Jugendliche als Trainer in Uganda. Was für uns nach einem alltäglichen Sportclub klingt, ist in Uganda eher die Seltenheit – und zugleich viel wert: 50 Prozent aller Kinder zwischen 5-17 Jahren arbeiten bereits. Oft können die hohen Kosten für Schulbücher, Schuluniform und Prüfungsgebühren nicht von den Familien gedeckt werden; Schulabbruch ist die fatale Folge. Nur ein Drittel aller Kinder schließt die Grundschule ab. Durch die Akademie wird der triste Alltag vieler Kinder durch das tägliche Fußballtraining erhellt – und der Ball kommt ins Rollen.  

Bild: 50mm – 1/25 – F1,4 – ISO 160

Der Muzungu mit der Kamera 

Montag, 16 Uhr. Die größte Wiese des Dorfes Kalagi wird zum Treff für die Fußball Akademie. Die kurzen Seiten des Platzes werden durch zwei Tore aus Holzstämmen und Nägeln geziert, zwischen ihnen Hühner, zwei herumstreifende Ziegen, zahlreiche Erdhügel und eine Menge Kinder, die den ganzen Tag auf den folgenden Moment wartet. Der riesige Sack, gefüllt mit Adidas-Fußballschuhen mit vier Streifen und Nike-Schuhen mit der Aufschrift Lion Messi, wird geöffnet und innerhalb von Sekunden haben sich alle Kinder ein Paar gegriffen. Die erste Szene, die mich mir mit dem 24mm F1,4 DG DN | Art eröffnet hat.  

Bevor mich die Trainer den Kindern vorgestellt haben, haben mich rund 40 Augenpaare verwundert angeschaut. Als Muzungu, zu Deutsch weißer Mann in der Sprache Luganda, fällt man schnell auf. Ein Wort, das mir noch oft begegnen wird – meist rufen es mir all die Kinder am Straßenrand lachend und winkend hinterher, wenn ich auf dem Motorrad durch das Dorf gefahren bin. Doch es dauert keine fünf Tage, da höre ich nicht mehr Muzungu, sondern Anton. Durch das tägliche Training kann ich schnell einen Draht zu den Kindern aufbauen und sie fühlen sich vor meiner Kamera wohl – und ignorieren sie im besten Fall sogar.

24 Millimeter und nah dran

Mithilfe der beiden SIGMA-Objektive 24mm F1,4 DG DN | Art und 50mm F1,4 DG DN | Art möchte ich nah an den Momenten während des Trainings dabei sein und mich gleichzeitig auf die Gemeinschaft und Emotionen der Kinder fokussieren. Auch wenn ein klassisches Tele-Objektiv für die Sportfotografie eher passen mag – ich wollte eine Weite in den Bildern erzeugen, die die Betrachtenden ergreift.  

So auch im nebenstehenden Bild. Die Jungen bilden einen Team-Kreis, um das Freundschaftsspiel im Training zu beginnen – ich lege mich unter den Kreis auf den Rasen, bekomme die kurzweilige Situation mit dem 24mm ganz eingefangen und habe aufgrund der Offenblende von 1,4 einen feinen Schärfeverlauf, von der Unschärfe auf Höhe der Trikots bis zu den scharfen Emotionen in den Gesichtern. 

Bild: 24mm – 1/1.600 – F1,4 – ISO 160

Nahe Emotionen & leise Fotos 

Gerade beim Fotografieren mit Kindern war es für mich in vielen Situationen wichtig, den Moment durch meine Anwesenheit – und vor allem die meiner Kamera samt großem Objektiv – nicht zu verändern. Hier habe ich zum 50mm gegriffen, den lautlosen Verschluss eingestellt und Szenen leise begleitet. „Father, thank you for bringing us together for todays training.“ – das tägliche Gebet konnte ich so fotografisch einfangen, ohne die zahlreichen Kinder in diesem Moment zu stören. 

Bild: 50mm – 1/2.000 – F1,8 – ISO 160

Nach 14 Tagen kommt meine Zeit in Uganda langsam zum Ende. Und ich gestehe mir selbst ein – diese Reise hat mich durch all die Gesichter und Momente verändert. Nicht nur durch die Motive vor der Linse, sondern auch durch die Gastfreundschaft in Uganda, die verbindenden Gespräche mit den Kindern über ihre Wünsche und Träume und nicht zuletzt die Möglichkeit, durch meine Fotos die großartige Arbeit der Fußball-Akademie zu dokumentieren und festzuhalten, was für Lebensfreude, Gemeinschaft und Hoffnung ein runder Ball geben kann.

Verwendete Objektive:

Der Autor

 
Anton Baranenko
Portrait- und Landschaftsfotograf

Anton ist als selbstständiger Foto- und Videograf tätig und lebt in Leipzig. Zwar bewegt er sich heute beruflich zu einem Großteil im Commercial-Bereich, wird die Liebe zur Naturfotografie jedoch nie verlieren. Das Festhalten von Momenten, die der Mensch nicht beeinflussen kann, sondern die einfach geschehen – sei es in Wald, Wüste oder Wasser – ist der Grund, weshalb er mit dem Fotografieren begonnen hat.

Webseite | Instagram | LinkedIn

Alle Bilder dieses Beitrags in der Übersicht