Berggeschichten mit Teleobjektiv © Sebastian Mittermeier

Berggeschichten mit Teleobjektiv

Der Tag startet, als der Wecker um 4 Uhr morgens klingelt. Draußen ist es kalt und die Nacht hat St. Gilgen am Wolfgangsee noch fest im Griff. Dennoch ist es Zeit, aufzubrechen. Heute gibt es endlich ein gutes Wetterfenster, um am Berg zu fotografieren. Laut Vorhersage sollen auch die Wolken tief genug stehen, sodass sich ein schönes Panorama bietet.

Das heutige Ziel ist die Schafbergspitze im Salzkammergut. Im Sommer ein ziemlich überlaufener Touristenberg, da man mit einer Zahnradbahn bis zum Gipfel fahren kann und sich damit die 1200 hm Aufstieg spart. Die Bahn fährt aber zum Glück zu dieser Jahreszeit maximal noch bis zu ihrer Mittelstation. Und außerdem startet sie ihren Betrieb auch erst deutlich nach Sonnenaufgang. Und somit hat man den Berg in den frühen Morgenstunden in der Regel für sich alleine. Dafür muss man aber im Dunkeln bereits mit dem Aufstieg aus dem Tal beginnen. 

Der Wanderparkplatz ist lediglich ein paar Minuten mit dem Auto von meiner Unterkunft in St. Gilgen entfernt. Mit im Rucksack habe ich diesmal das neue SIGMA 70-200mm mit einer durchgehenden Blende von F2,8. Damit sollten die verschiedensten Variationen an Landschaftsbildern möglich sein. Vor allem auch schon, wenn die ersten Sonnenstrahlen auf die Berggipfel treffen. Ich packe noch eine warme Jacke für den Gipfel mit in den Rucksack, schalte mit kalten Fingern meine Stirnlampe ein und wandere los. Der ersten 1,5 Stunden des Weges führen durch einen stillen Wald. Man hört jedes Blatt, das von den Bäumen fällt. Sehen kann ich nur so weit, wie meine Lampe leuchtet. Obwohl die Zivilisation nie wirklich weit weg ist, macht sich ein Gefühl von Verwundbarkeit bemerkbar. Das Gefühl wird noch stärker, als ich immer wieder leuchtende Augen im Dunkeln erkennen kann. Sie gehören zum Rotwild, das hier oft anzutreffen ist. Wunderschöne große Tiere, die einen aber im ersten Moment auch richtig erschrecken können, wenn sie aus dem Nichts im Dunkeln auftauchen. Das Gefühl ist keine Angst, sondern eher das Bewusstsein, dass zu dieser Tageszeit der Wald nur den Tieren gehört und ich hier Gast bin. 

Berggeschichten mit Teleobjektiv © Sebastian Mittermeier
200mm -F4,5 – ISO 500 – 1/640s

Nach ein paar hundert Höhenmetern habe ich die Schneegrenze erreicht und komme schließlich auch oben aus dem Wald heraus. Auf dem ersten Hochplateau angekommen, kann ich zum ersten Mal einen Blick auf das Bergpanorama erhaschen. Die Bedingungen sind heute perfekt. Die Wolken hängen tief über den umliegenden Seen und am Horizont macht sich ganz langsam die Sonne bemerkbar. Noch ist es zu dunkel, um aus der Hand zu fotografieren. Ich bin außerdem auch noch nicht hoch genug, um einen wirklich guten Blick über das Tal zu bekommen. Also setze ich meinen Aufstieg weiter fort. Vorbei an der noch ruhigen Mittelstation der Zahnradbahn, immer weiter in Richtung Schafbergspitze. Gefühlt wird mit jedem Schritt nach oben der Wind stärker und die Böen werfen einen hin und her, wenn man nicht auf sie achtet. 

Da es immer heller wird und ich den Moment der ersten Sonnenstrahlen nicht verpassen möchte, hole ich nun auch meine Kamera mit dem 70-200mm Objektiv aus dem Rucksack. Die durchgehende Blende von F2,8 hilft wirklich sehr, wenn man in der blauen Stunde mit dem Fotografieren beginnen möchte und wie ich kein Freund von Stativen ist. Der Bildstabilisator im Objektiv von Sigma unterstützt zusätzlich. Die 1300 g Gewicht sind auch noch angenehm, wenn man sich das ganze Setup mit einem Kameragurt umhängt, um ohne ständiges Aus- und Einpacken weiterwandern zu können. Mit der immer weiter aufgehenden Sonne fallen langsam die ersten Strahlen auf die umliegenden Gipfel. Die Aussicht reicht bis hinein zum Hohen Dachstein und ich kann die verschiedensten Bilder machen. Der Hauptfokus liegt natürlich auf den schneebedeckten Berggipfeln im Morgenlicht.

Schön ist aber auch das Aufeinandertreffen von Winter und Herbst weiter unten, wenn Bäume von orange zu weiß wechseln. In Richtung Salzburg ragen außerdem der Gaisberg und seine Nachbarn wie Inseln aus dem Wolkenmeer heraus und der Schafberg selbst wirft einen mächtigen Schatten.

Besonders gut gefällt mir am 70-200mm, dass man damit auch Details super fotografieren kann. Die Naheinstellgrenze reicht aus, um die Umgebung in vollem Umfang einzufangen.

Das reicht von den Gipfeln der Berge, über die im eisigen Wind gefrorenen Bäume oder aber die verwehte Schneedecke, die im Morgenlicht glitzert. Man kann so in den Bildern eine Geschichte erzählen und bekommt einen Eindruck, wie es sich vor Ort angefühlt hat. Das ist auf jeden Fall etwas, nach dem ich immer aktiv suche, wenn ich draußen unterwegs bin.

Es ist leicht, das eigentliche Ziel zu vergessen und weiter das schöne Panorama zu fotografieren. Dann bemerkt man Zuhause, dass man immer dasselbe Motiv abgelichtet hat und lediglich verschiedene Lichtstimmungen eingefangen hat. Mein Ziel für heute war aber die Schafbergspitze, da ich von dort nicht nur 180° sehen kann, sondern wirklich ganze 360°. Der Berg steht nämlich sehr frei und ist von Seen umgeben. Der Zwischenstopp für die ersten Sonnenstrahlen auf den umliegenden Gipfel war es aber auf alle Fälle wert. Den Weg nach oben musste ich mir zum Teil ein wenig selbst erschließen, da durch die Schneeverwehungen nicht mehr ganz ersichtlich war, wo der eigentliche Wanderweg entlang führt. Verlaufen kann man sich aber eigentlich nicht wirklich, da man den Gipfel die ganze Zeit schon sehen kann. Oben angekommen habe ich noch weitere Bilder gemacht, solange das Licht gepasst hat. Mit einer Brennweite von 70 bis 200 mm kann es natürlich passieren, dass man gerne noch weitwinkliger fotografieren möchte. In dem Fall kann man aber auch einfach mehrere Bilder aneinander setzen. Durch die Kompression im Telebereich bekommt man so sehr interessante Fotos, die mit einem echten Weitwinkelobjektiv nicht immer machbar wären. Ich suche mir dafür meist ein paar markante Punkte in der Landschaft, an denen ich mich beim Fotografieren orientieren kann. Denn die einzelnen Bilder müssen ein wenig überlappen, damit man sie später gut zusammensetzen kann, zwei Beispiele dafür seht ihr nachfolgend. Gerade bei Landschaften mit wenig Bewegung im Bild klappt das in der Regel sehr gut und man kann mit einem Objektiv richtig viel abdecken. Meinen Kamerarucksack verlässt das 70-200mm auf jeden Fall nie.

Langsam aber sicher trafen auch die ersten anderen Wanderer auf dem Gipfel ein. Nach kurzer Unterhaltung mache ich mich wieder auf den Weg ins Tal. Vorbei an der nun belebteren Mittelstation ging es hinunter bis zur Baumgrenze. Der Wald, der im Aufstieg noch so endlos und düster erschien, war nun gar nicht mehr so dunkel und auch vom Rotwild fehlte jede Spur. Unten am Parkplatz angekommen, konnte ich nochmal einen letzten Blick auf den Berg mit der weißen Spitze hinter mir werfen. Ein Berg, der so überlaufen sein kann und dem man trotzdem immer noch ein kleines  Abenteuer abringen kann.

Verwendetes Objektiv: 70-200mm F2,8 DG DN OS | Sports

Der Autor

 
Sebastian Mittermeier
Freelance Fotograf

Sebastian Mittermeier ist ein Freelance Fotograf aus Süddeutschland mit einer Leidenschaft für Natur, Sport und Reisen. Das spiegelt sich auch in seiner Arbeit wieder. Mit seiner Fotografie möchte Menschen dazu inspirieren, sich selbst ins Abenteuer zu stürzen. Egal, ob vor der eigenen Haustür oder in einem fremden Land. 

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