Unterwegs in Los Angeles © Martin Dürr

Unterwegs in Los Angeles

Meine Berührungspunkte mit SIGMA hatte ich schon lange bevor ich Markenbotschafter für Panasonic LUMIX wurde, und zwar in Form der DP2 Merill und DP3 Merill, beide von mir hoch geschätzte Kameras für ihre unglaubliche Bildqualität.

Durch die Tatsache, dass SIGMA und LUMIX in der L-Mount Allianz vereint sind, hatte ich natürlich schon intensiven Kontakt mit den unterschiedlichsten Objektiven. Allen voran, als Portrait- und People-Fotograf, mit dem 85mm F1,4.

Nun stand also ein 5 Tages Workshop unserer Workshop Schule in Los Angeles an und die Möglichkeit, zwei Objektive dafür intensiv zu nutzen. Aber welche sollte ich mitnehmen?

Meine Wahl fiel auf das 90mm F2,8 und das 135mm F1,8.

Warum zwei Objektive, die sich ähnlich sind?

Beide sind Teleobjektive und befinden sich außerhalb des üblichen 85mm Standard Bereiches.

Als Portraitfotograf bin ich auf Objektive angewiesen, die mich und meinen Stil unterstützen, die mir genau die Qualität liefern, die ich für meine Art zu fotografieren brauche. Und das tun beide Objektive, wenn auch auf ganz unterschiedliche Art. Das 90mm ist für mich eine Art hochqualitatives Schweizer Offiziersmesser, robust, hochwertig verarbeitet und für sehr unterschiedliche Aufgaben nutzbar. Es ist kompakt und zusammen mit der Lumix S5, die ich im Einsatz hatte, auch in einer kleinen Kameratasche gut zu verstauen.

Die Vorzüge des 90mm

Die Möwe im Gegenlicht ist ein ziemlich spontaner “Schuss”. Es flogen eine Vielzahl von ihnen am Pier herum, immer in Bewegung. Ihr wisst selbst, was das für eine Herausforderung ist, hier ein gutes Bild zu bekommen. Umso glücklicher macht mich das Bild mit der Lampe und dem Zaun als Bokeh im Vordergrund. Hier zeigt sich die Stärke, Schnelligkeit und Qualität des 90mm. Auch bei dieser extremen Gegenlicht Situation.

F4 – 1/4.000s – ISO 100

Gleicher Pier, nur einen Moment später. Das 90mm lässt mir genügend Abstand zum Musiker und wahrt einen persönlichen Abstand, obwohl das Bild sehr intensiv ist und einen Einblick in seine Seele gewährt. Er weiß, dass ich ihn portraitiere, aber ich behindere ihn nicht bei seiner Arbeit. Unter uns … Er konnte leider überhaupt nicht spielen. Hat aber so getan und das mit großer Inbrunst.

Dieses Bild entstand am berühmten Griffith Observatorium unweit von Hollywood. Eine Gegenlichtaufnahme, die meines Erachtens sehr schön die Komplexität von Los Angeles und das Labyrinth aus Häusern zeigt, die bis zum Horizont reichen. Die 90mm Brennweite lassen genügend Raum, um die Tiefe des Bildes und damit die Ausbreitung der Stadt Los Angeles zu zeigen. Die Bildschärfe und die Farbwiedergabe des 90mm sind exzellent. 

F7,1 – 1/640s – ISO 100

Die Zusammenarbeit mit der S5 verlief reibungslos, wie eine perfekt abgestimmte Einheit. Wie man sieht, habe ich die Kombi nicht nur für Portraits genutzt, sondern auch für Landschafts- und Architekturaufnahmen bei Streifzügen durch die Stadt.

Präzision mit 135mm

Das 135mm hingegen ist ein Präzisionsobjektiv und allein schon durch die Lichtstärke ein anderes “Kaliber”. Die Art der Freistellung bei Portraits, Ganzkörperaufnahmen und Details ist einfach phänomenal, erfordert aber natürlich vom Fotografen auch Disziplin und eine zielgerichtete Vorgehensweise. Dafür bekommt man einmalige Bildergebnisse.

Somit habe ich das 135mm auch gezielt für Aufnahmen eingesetzt, bei denen mir die Freistellung besonders wichtig war.

Das Portrait entstand in einer Shooting-Pause. Mein Modell musste sich mit einem Sweatshirt gegen den starken Wind schützen und deshalb in den Halbschatten gehen. Mir gefiel die Art und Weise, wie das Licht auf ihr Gesicht traf. Da ich selbst nicht geschützt stand und der Wind an mir und der Kamera zerrte, war ich froh, die Szene mit einer kurzen Verschlusszeit einfangen zu können.

F2 – 1/2.000s – ISO 100

Die gleiche Location, nur ein paar Augenblicke später. Hier sieht man sehr schön wie der Wind, der am El Matador Beach unaufhörlich blies, an Alyssas Haaren zerrte. Das Streiflicht auf ihren Haaren ermöglichte mir eine wunderbare Freistellung im Schatten des großen Felsens, den man im Hintergrund sieht. Auch hier faszinieren mich die Abbildungsqualität und die großartige Farbwiedergabe des 135mm.

F2,8 – 1/1.600s – ISO 100

Ich liebe die Arbeit mit Festbrennweiten, aber es gilt einiges zu beachten. Im Gegensatz zu Zoomobjektiven, bei denen man schon mal aus ein und derselben Position unterschiedliche Bilder machen kann, erfordert eine Festbrennweite Bewegung und Planung. Zudem ist eine reibungslose Kommunikation mit dem Modell immens wichtig. Am Strand mit Windgeräuschen und Brandungsrauschen wird die normale, verbale Kommunikation mit einem 135mm Objektiv zur echten Herausforderung. Man kann das aber umgehen, wenn man sich vorher mit dem Modell auf eine klare Zeichensprache einigt.

Ich versuche, den Workshop Teilnehmern immer wie folgt zu vermitteln: Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.
Man darf bei Portrait-, Fashion- oder Peoplefotografie nie nur den Fokus auf die Kamera oder das Modell legen. Die richtige Wahl des Objektiven, der Location, Tageszeit und eine harmonische Stimmung sind ausschlaggebend für gute Bilder.

Egal ob es ein freies Shooting oder ein bezahlter Auftrag ist. Somit ist die Art und Weise, wie ich mit unterschiedlichen Objektiven fotografiere, eben auch differenziert.

In der heutigen Zeit sind Fotografen natürlich immer darauf bedacht, Objektive mit möglichst kleiner Blendenzahl (1.8, 1.4, 1.2) zu ergattern und mit ihnen zu arbeiten. Natürlich wurde ich auch gefragt, ob mir die Blende 2,8 beim 90mm “genügen” würde. Ja lautet hier meine eindeutige Antwort, denn die Weise, wie ich das Objekt eingesetzt habe, erfordert ein Mindestmaß an “Erkennbarkeit” des Hintergrundes. Das Bokeh sollte qualitativ hochwertig sein, aber ich brauche hier keine Öffnung von 2,0 oder weniger.

Ein weiteres Kriterium für meine Arbeit ist das Verhalten des Objektivs im Gegenlicht. Ich verzichte immer wieder auf die Gegenlichtblende, um die sogenannten Lensflares (Blendenflecken), die dann entstehen, bewusst für den Bildaufbau und die Stimmung einzusetzen. Auch hier zeigen sich beide SIGMA Objektive von ihrer besten Seite. Gezielt und überaus präzise ist es so möglich, Gegenlicht stimmungsvoll zu verwenden.

F3,2 – 1/640s – ISO 1.250

Die Haptik sollte stimmen

Zudem erfüllen beide Objektive etwas, was man schlecht mit Worten beschreiben kann. Die Arbeit mit ihnen fühlt sich so an, als würde man sie schon seit Jahren nutzen. Sie unterstützen meinen Workflow und behindern ihn nicht. Ich konnte das mit dem 90mm schon auf der Photopia 2022 intensiv erleben. An den unterschiedlichsten Locations, ob Indoor mit gerichtetem Licht, Indoor mit gemischtem Licht oder aber auch Outdoor bei gleißendem Sonnenschein, hat das Objektiv immer die Ergebnisse abgeliefert, die ich mir vorgestellt habe. Das Gleiche galt für die Arbeit beim Workshop in Los Angeles. Outdoor, Sonnenschein, bedeckter Himmel und Indoor mit Dauerlicht (im Gegenlicht), gerade bei Portrait und People Fotografie muss man sich auf die Einheit Kamera und Objektiv verlassen können.

Ihr könnt den Test ganz einfach machen. Schaut auf eure Bilder und überprüft, mit welchem Objektiv ihr am häufigsten arbeitet und welches, sagen wir mal, ein Schattendasein führt. Hier solltet ihr ansetzen und euch auf diese Objektivpalette konzentrieren. Dann macht es auch Sinn in diesem Bereich sich die besten Objektive zu besorgen, wie das 90mm und das 135mm.

Ein Tipp für alle, die sich intensiver mit Portrait und People Fotografie beschäftigen wollen: besucht eine der zahlreichen Fotomessen und Fotohändler Hausmessen, die es in ganz Deutschland gibt und testet Objektive vor Ort. Hier könnt ihr unterschiedliche Objektive vergleichen und SIGMA steht euch vor Ort mit Rat und Tat zur Seite. Dann findet ihr ganz sicher euer „Lieblingsobjektiv“, um zu perfekten Portraits zu gelangen.

Erwähnte Objektive:

Der Autor

 
Martin Dürr
Portrait- und Modefotograf

Geboren und aufgewachsen in München, begann Martin Dürr seine Karriere als Illustrator, Designer und 3D Artist, wo er für internationale Unternehmen arbeitete, bis er Anfang 2014 in die Portrait- und Modefotografie einstieg. Basierend auf seinen Erfahrungen hat er seinen eigenen, einzigartigen Fotostil entwickelt, für den er bekannt ist. Ohne auf ein bestimmtes Genre fixiert zu sein, lässt er seiner Kreativität freien Lauf und fotografiert in unterschiedlichen Stilen von abstrakt bis opulent, immer mit dem Ziel, Bilder zu schaffen, die dem Betrachter lange im Gedächtnis bleiben. Seit 2018 ist er Markenbotschafter für Panasonic LUMIX und betreibt zusammen mit seiner Frau Kerstin eine Fotografie Workshop Schule in der Nähe von München.

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