Meine 5 Tipps für die Arbeit mit Newcomer Models © Natascha Lindemann

Meine 5 Tipps für die Arbeit mit Newcomer Models

In diesem Beitrag beschreibe ich meine Vorgehensweise, mit Models zu arbeiten, die zum ersten Mal vor der Kamera stehen. Durch das richtige Anleiten lassen sich Unsicherheiten bei Newcomer-Models verringern. Je besser sich die Models fühlen, desto besser werden die Fotos des Shootings.

Das erste Mal vor der Kamera zu stehen ist für die meisten Menschen nicht nur ungewohnt, sondern auch sehr aufregend. Man steht als Model voll im Fokus des gesamten Teams. Häufig fühlen sich Newcomer Models etwas unsicher und haben Angst davor, Fehler zu machen. Nicht selten drückt sich diese Unsicherheit auch im Bildergebnis aus. Doch als Fotograf hat man einen erheblichen Einfluss darauf, wie ein Newcomer-Model auch bei seinem ersten Shoot vor der Kamera performt.

Im Folgenden teile ich ein paar meiner Erfahrungen, die ich bei der Arbeit mit Newcomer Models gesammelt habe.

1. Umgebung als Wohlfühlfaktor

Eines der wichtigsten Dinge ist, dass am Set gute Stimmung herrscht. Deshalb sorge ich im gesamten Studio und dem Make-up Raum für eine entspannte Atmosphäre. Oft frage ich auch das Model, welche Musik sie am liebsten hört, um den Wohlfühlfaktor zu erhöhen. Zudem bereite ich immer genügend Snacks, Getränke vor und kümmere mich um eine angenehme Raumtemperatur, sodass niemand frieren muss.

2. Lockere Kommunikation & Ablauf klären

An einem Shooting Tag ist meine erste und wichtigste Aufgabe natürlich mein Studio Set aufzubauen. Da ich mir vor jedem Shooting immer ein Konzept mache, geht das auch meistens sehr schnell. Natürlich dürfen dabei meine Lieblingsobjektive nicht fehlen. Für das heutige Shoot habe ich mich für das SIGMA 70mm F2,8 DG MACRO | Art Objektiv entschieden. Es ermöglicht mir sehr schnell zwischen Porträt und Close-ups Aufnahmen zu wechseln ohne zwischendurch das Objektiv tauschen zu müssen. Gerade bei Newcomer Models ist es mir wichtig die Möglichkeit zu haben sehr schnell arbeiten zu können. Nachdem ich alles vorbereitet habe, nehme ich mir Zeit, um mich mit dem Model zu unterhalten.

Zuerst führe ich das Model ausführlich in den Ablauf des Shootings ein, damit keine Unklarheiten oder Unsicherheiten über den Verlauf des Tages entstehen und sie sich darüber bewusst ist, was man von ihr erwarten wird. Hierzu zählt beispielsweise, wie viele verschiedene Make-up Looks geschminkt werden, welches Styling geplant wurde, die Reihenfolge der verschiedenen Looks und eventuelle Pausenzeiten zwischen den verschiedenen Shooting Slots. Gerade bei Newcomer Models ist es auch empfehlenswert nachzufragen, ob irgendwelche Fragen offen geblieben sind. Abseits von dem Gesprächsthemen, die im Zuge eines Fotoshootings nun mal so aufkommen, interessiere ich mich sehr für den persönlichen Background der Models, wie sie zum Modellen gekommen sind, welche Hobbys sie haben und aus welcher Gegend sie kommen. Es ist auch immer wieder interessant zu hören, wie unterschiedlich die Backgrounds zum Start in eine Modelkarriere sein können.

3. Beginn des Shootings

Wenn das Make-up fertig ist und das Model ans Set kommt, dauert es erfahrungsgemäß immer erst ein paar Minuten, bis sie mit der Situation warm wird. Das mache auch ich mir jedes Mal wieder zu Beginn bewusst, damit ich von Beginn an nicht direkt zu viel von ihr erwarte. Besonders bei Newcomer Models benötigt es am Anfang ein bisschen Geduld, um ihr die nötige Zeit zu geben, sich mit der Situation zu akklimatisieren und einzufinden. Deswegen bevorzuge ich es, wenn das Model am Set steht oder sitzt und ich zu Beginn die Licht- und Kameraeinstellungen mache. Dabei ist es wichtig, sie darüber zu informieren, dass der eigentliche Shoot noch nicht losgeht, sondern ich zunächst meine Einstellungen für Kamera und Licht treffen muss. Meistens brauche ich dafür ca. 10 Test Bilder. Ich starte immer mit Porträt Aufnahmen, die ich mit einer Blende von 8-13 aufnehme und so die tolle Qualität und Schärfe in meine Bilder bekomme. Während ich meine Einstellungen mache gebe ich dem Model somit eine gewisse Zeit, sich an das Set und den Blitz zu gewöhnen, ohne, dass der Fokus direkt komplett auf ihr liegt.

4. Wenige Personen am Set

Sobald der eigentliche Shoot beginnt, bitte ich alle Personen, bis auf die Make-up-Artist, den Raum zu verlassen. Eine Ausnahme existiert dabei für die Make-up Artist, die gerade beim Beginn des Shoots noch mal einen Close Up Look auf das Make-Up bekommen muss, um eventuelle Fehlerstellen korrigieren zu können. Es ist für das Model wesentlich entspannter, wenn sie nicht von 20 Augen gleichzeitig beim Posen beobachtet wird. Dadurch kann sie sich mehr auf die Situation einlassen, ist weniger verkrampft und die Atmosphäre lockerer. Das ist sofort sichtbar auf den Fotos, insbesondere wenn es sich nicht um ein erfahrenes Model halten sollte.

5. Zielklärung und Feedback

Während des Shootings ist es wichtig, viel mit dem Model zu sprechen. Ich sage ihr, was sie machen soll und gebe viel Feedback. Man darf nicht vergessen, dass ich als Fotografin sie zwar durch meinen Sucher sehe, sie aber nur eine Kamera vor Ihrem Gesicht sieht. Deshalb ist es auch gerade bei den Close-up aufnahmen wichtig, dem Model vorher zu sagen, das man jetzt mit dem Objektiv sehr nah an ihr Gesicht kommt, um das Bild aufzunehmen. Die 25,8 cm Naheinstellgrenze den 70mm Macro Objektives bieten zwar eine angenehme Distanz, trotzdem kann es aber ungewohnt für das Model sein, wenn sich die Kamera so nah vor ihrem Gesicht befindet. Ich starte meist mit sehr leichten Posen, wie beispielsweise gerade in die Kamera zu schauen oder den Kopf mit nur kleinen Bewegungen nach links und rechts zu drehen. Auch nur die Augen zu bewegen kann dem Bild schon einen anderen Look geben. Obwohl die Anfangsbilder oft nicht die Bilder sind, die ich am Ende als Resultat haben möchte, ist es wichtig, dem Model trotzdem auch schon jetzt positives Feedback zu geben, sobald es in die gewünschte Richtung geht. Dadurch weiß sie, was ich mir von ihr wünsche und kann dementsprechend posieren. Sehr hilfreich ist es, dem Model vorab verschiedene Moods oder Posen zu zeigen, an denen sie sich orientieren kann.

Ich hoffe, dass euch diese Tipps in Zukunft helfen bessere Ergebnisse bei Shootings mit Newcome Models zu erzielen. Die Beispielbilder zum Artikel sind übrigens mit einem Model entstanden, welches ich auf der Straße in Berlin entdeckt habe. Sie war zum Zeitpunkt des Shoots gerade erst 18 Jahre alt und ist noch zur Schule gegangen. Die Bilder sind bei ihrem allerersten Shoot entstanden und ich finde, das sieht man den Bildern gar nicht an. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit der richtigen Anleitung von Newcomer-Models super Ergebnisse erzielen kann.

Verwendetes Produkt:

Die Autorin

 
Natascha Lindemann
Beauty- & Fashionfotografin

Die Berliner Fotografin Natascha Lindemann hat sich auf Beauty-Fotografie spezialisiert. Sie ist weltweit für Make-Up und Beauty-Brands tätig.

„Ich liebe es, kreative und aufwendige Foto-Shootings zu konzeptionieren, planen und durchzuführen. In der Beauty-Fotografie lebe ich meine Kreativität aus und trage mit meinen Bildern zum erfolgreichen Außenauftritt von Beauty-Brands bei.“

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