Mein Workflow für eine effiziente und abwechslungsreiche Bildauswahl © Natascha Lindemann

Workflow für eine effiziente und abwechslungsreiche Bildauswahl

Viele Fotografen kennen es: Ein tolles Fotoshooting ist absolviert und die SD-Karte ist voller Aufnahmen. Im Anschluss geht es an den zweiten Teil der Fotoproduktion. Damit die Nacharbeit bei euch nicht unnötig in die Länge gezogen wird, möchte ich euch in diesem Beitrag meine Herangehensweise erklären und meinen Workflow für eine sehr schnelle Bildauswahl zeigen.

Wichtig zu erwähnen: Diese Vorgehensweise wähle ich vor allem, wenn ich freie Projekte shoote, bei denen ich bei der Bildauswahl der finalen Bilder völlig frei bin. Bei Fotoproduktionen, bei denen der Kunde eine sehr genaue Vorstellung vom finalen Bildergebnis hat, läuft dieser Workflow oft völlig anders ab.

Unglaubliche 800 bis 3.000 Bilder entstehen bei meinen Shoots pro Tag. Um in der Postproduktion nicht in der Unübersichtlichkeit dieser Bilderflut unterzugehen, ist es besonders wichtig, einen effizienten Workflow beim Umgang mit diesen Aufnahmen zu entwickeln. Das betrifft den kompletten Prozess zwischen der Entstehung des Bildes und dem final retuschierten Ergebnis. Ein wichtiger Teilaspekt in diesem Prozess ist die Auswahl der Bilder, die retuschiert werden sollen. Mit einem guten Workflow bei der Bildauswahl kann viel Zeit und Geld gespart werden.

In den Beispielbildern zeige ich euch, wie unterschiedlich die Ergebnisse aus einem Shootingtag durch eine gute Bildauswahl sein können. Die Bilder habe ich alle mit einem meiner Lieblings-Objektive von SIGMA aufgenommen, dem SIGMA 70mm F2,8 DG MACRO | Art Objektiv. Es ist eins meiner absoluten Must Have Objektive für die Beautyfotografie da ich es so vielfältig einsetzen und sowohl meine Portraits als auch die Close-Ups damit machen kann, ohne zwischen den Shots das Objektiv wechseln zu müssen.

Ich shoote über die Tethershoot-Funktion direkt in Capture One „hinein“. Capture One ist eine Bildauswahl- und Handling-Software, die zugleich einen Raw-Converter und bereits viele Einstellungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten enthält. Das Tethershooten ist mir bei meinen Shoots übrigens immer besonders wichtig, weil das Model, die Make-Up Artistin und der Kunde direkt den Outcome vom Shoot sehen und beurteilen können. Auch dabei begeistert das SIGMA 70mm F2,8 DG MACRO | Art auch schon in den Out-of-Cam Bildern immer wieder durch eine tolle Bildqualität, die es gerade in nahen Bildausschnitten besonders beeindruckend ausspielen kann. Unter anderem enthält Capture One eine Bewertungsfunktion, mit der man den Bildern (ähnlich wie bei Lightroom) eine Bewertung zwischen einem und fünf Sternen zuweisen kann. Diese ist sehr gut geeignet zur Bewertung von Bildern:

1 Stern

Im ersten Schritt gehe ich alle Bilder einmal durch. Ich achte nur auf den Bildschnitt und die Formen bzw. die Posen des Models. Wenn ein Bild zu viel angeschnitten ist, mir die Komposition nicht gefällt, oder das Model einen unpassenden Ausdruck hat, scheidet das Bild aus. Alle anderen Bilder, die mir auf den ersten Blick gut gefallen, kommen in die nächste Auswahlrunde und werden mit 1 Stern bewertet. Generell nehme ich lieber ein Bild mehr als weniger in die nächste Auswahl mit. Im ersten Schritt überfliege ich die Bilder nur oberflächlich, um die Anzahl zu reduzieren. Meistens habe ich nach dem ersten Schritt 1/3 aller entstandenen Bilder mit einem Stern markiert.

2 Sterne

Im nächsten Schritt nehme ich mir etwas mehr Zeit. Hierbei achte ich genauer auf die Ausdrücke und überprüfe die Schärfe. Etwa die Hälfte aller Bilder mit einem Stern erhält auch einen zweiten. Diese qualifizieren sich für die engere Auswahl.

3 Sterne

Je nachdem wie viele Sets ich geshootet habe, vergleiche ich hier ähnliche Bilder. Ich lasse mir beispielsweise alle frontalen Portraits vom ersten Look nebeneinander anzeigen. So kann ich die Unterschiede im direkten Vergleich sehen. Ich wähle dann pro Set und pro Pose meine ein bis zwei Favoriten aus, sodass ich in der dritten Auswahlrunde die besten Bilder jeder Pose habe.

4 Sterne

Hier vergleiche ich, welche Pose den Look am stärksten unterstreicht. Außerdem achte ich auch darauf, dass immer eine ausgewogene Auswahl zwischen Portraits und Closeups besteht, sodass ich von einem Look genug Auswahlmöglichkeiten habe. So erhalte ich genug Abwechslung in meinen Ergebnissen. Meistens wähle ich am Ende pro Look nur etwa ein bis drei Bilder aus. Diese müssen meiner Meinung nach die besten sein und sollten sich nicht zu sehr ähneln.

5 Sterne

Für die 5 Sterne Auswahl lasse ich mir alle Bilder mit vier Sternen nebeneinander anzeigen. Ich achte darauf, dass maximal drei Bilder pro Look bestehen bleiben. Sollten es dennoch mehr sein, sortiere ich nochmal nach und stufe die schwächsten Bilder auf vier Sterne zurück. Mir ist es wichtig, von jedem Look unterschiedliche Posen zu haben. Zudem sollten bei Portraits unterschiedliche Ausdrücke vorhanden sein. Jeder Look und auch das Portfolio des Models sollte anders präsentiert werden und abwechslungsreich wirken.

Das beschriebene Bewertungsverfahren ist eine ganz simple Methode, mit der jeder Fotograf in kurzer Zeit die besten Aufnahmen herausfiltern kann. Ein klar strukturierter Workflow spart enorm viel Zeit, die am besten direkt für weitere spannende Projekte genutzt wird.

Verwendete Produkte:

 
Natascha Lindemann
Beauty- & Fashionfotografin

Die Berliner Fotografin Natascha Lindemann hat sich auf Beauty-Fotografie spezialisiert. Sie ist weltweit für Make-Up und Beauty-Brands tätig.

„Ich liebe es, kreative und aufwendige Foto-Shootings zu konzeptionieren, planen und durchzuführen. In der Beauty-Fotografie lebe ich meine Kreativität aus und trage mit meinen Bildern zum erfolgreichen Außenauftritt von Beauty-Brands bei.“

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