Revolution in der virtuellen Filmproduktion

Revolution in der virtuellen Filmproduktion © Sven Fink und Benjamin Hauser

„Das Material muss so echt, so natürlich wie möglich aussehen, das ist das aller wichtigste,“ sagt Sven Fink. Er ist Kameramann, Tüftler, Konzeptionist und einer der beiden Köpfe der Firma Dynamic Log aus Köln. Mit seinem Kollegen Benjamin Hauser hat er ein einzigartiges Kamerasystem entwickelt. Ein 360-Grad-System, das auf der kompakten Vollformatkamera SIGMA fp in Kombination mit dem Objektiv SIGMA 14-24mm F2,8 DG DN | Art basiert. Mit ihrem Konzept erschaffen sie Content für eine bahnbrechende Technik in Sachen virtueller Studioproduktion.

Revolution in der virtuellen Filmproduktion © Sven Fink und Benjamin Hauser

Die beiden arbeiten seit vielen Jahren mit High End Kameraequipment als Filmschaffende in verschiedenen Bereichen zusammen. Sie waren unter anderem jahrelang als Kameratechniker bei dem Filmgeräteverleih Cinegate GmbH tätig.

Diese Beschäftigung führt Benjamin Hauser Ende 2019 in die USA. Er wird dort eine vielversprechende Studiotechnologie kennenlernen und deren Umsetzbarkeit für den europäischen Markt einschätzen. Diese Technologie beeinflusst die Zukunft virtueller Produktionen maßgeblich: große LED-Wände werden in einem Studio aufgebaut. Diese bilden die virtuelle Umgebung, vor denen die eigentlichen Szenen gedreht werden. Die LED-Wände können mit jedem nur erdenklichen Material bespielt werden.

Revolution in der virtuellen Filmproduktion © Sven Fink und Benjamin Hauser

Das hat viele Vorteile: Schauspieler*innen sitzen nicht mehr, wie früher, vor einer sterilen, grünen Wand (Green Screen-Technologie). Sie sind mitten im Geschehen. Hintergründe müssen nicht mehr während aufwendiger Nachbearbeitungen eingefügt werden. Lichtmenge, Lichtwinkel, Reflektionen und Lichteffekte wirken wesentlich realistischer. Alles fühlt sich echter, näher an. Aufwendige Aussendrehs können ins Studio verlagert werden. Sie werden planbarer, kostengünstiger und sind wetterunabhängig. In den USA wird diese Art der virtuellen Studioproduktion bereits seit einigen Jahren erfolgreich eingesetzt. Benjamin Hauser sagt: „Es gab seit zwei, drei Jahren Ideen und Anläufe, dass wir die Technik nach Europa bringen und nach einigen Tests und Vorführungen in Los Angeles und New Jersey war klar, auch in Europa gibt es dafür potentielle Kunden.

Revolution in der virtuellen Filmproduktion © Sven Fink und Benjamin Hauser

Während Benjamin sich in den USA und mittlerweile auch in Deutschland von den Vorteilen, sowie den technischen Feinheiten der neuen Möglichkeiten überzeugen kann, plant Sven wie sich der entsprechende Content für die Hintergründe erschaffen ließe. Eine schöne Herausforderung für den kreativen Geist des experimentierfreudigen Kameramanns. Denn laut Sven müsse direkt auf Kundenwünsche eingegangen werden. Inhalte und Hintergründe können so individuell erschaffen werden und sollten nicht aus Archiven stammen, wie es etwa in den USA häufig gemacht werde. „Wenn der D.o.P, der Director of Photography, zu einer bestimmten Zeit, durch eine spezielle Stadt fahren will, dann muss es auch so produziert werden“, meint Sven.

Revolution in der virtuellen Filmproduktion © Sven Fink und Benjamin Hauser

Sie erstellen Konzepte. Sven plant, baut, schweißt, während Benjamin die Elektronik lötet und die Software programmiert. Beide testen, testen und testen. So können sie in kurzer Zeit Inhalte für virtuelle Umgebungen großer Produktionen der ARD, Time Warner und Netflix produzieren: die Studiosimulation einer Zugfahrt durch Berlin, einer LKW-Fahrt in den Alpen oder einer rasanten Fahrt durch Paris.

Revolution in der virtuellen Filmproduktion © Sven Fink und Benjamin Hauser

Ein Kamera-Rig – aus bis zu 10 Kameras bestehend – wird dafür auf ein entsprechendes Fahrzeug montiert. Dann werden die notwendigen Strecken abdreht. Die Fortbewegungsmittel erinnern etwas an die Google-Autos, die für StreetView durch unsere Straßen fahren. Anschließend wird das Rohmaterial nachbearbeitet. Einzelne Perspektiven können zu einer 360 Grad Ansicht zusammengesetzt werden („gestitcht“, engl. stitching – nähen).

Revolution in der virtuellen Filmproduktion © Sven Fink und Benjamin Hauser

Mit SIGMA hat Dynamic Log einen zuverlässigen Kamerahersteller gefunden. Sven Fink erklärt: „Wir haben Kameras einiger Hersteller getestet. Dabei haben wir gute Sensoren gefunden, 6k-Auflösung und so weiter. Allerdings muss es auch wirtschaftlich sinnvoll bleiben, denn wir benötigen für unser Rig immerhin bis zu 10 Kameras und 10 Objektive. Dann sind wir auf die SIGMA fp gestoßen. Das Preis-Leistung Verhältnis des Gesamtpakets ist perfekt für uns, gerade auch im Hinblick auf die Objektive.“

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Die Kameras auf dem Rig sind im Kreis angeordnet und nehmen das gesamte Umfeld auf, also 360 Grad, plus den Himmel, mit Wolken und Bäumen. Hier werden ultraweitwinkelige SIGMA 14-24mm F2,8 DG DN | Art Objektive eingesetzt. Ihre Schärfe, die Abbildungsleistung und die Farbwiedergabe sind hervorragend. Dank ihrer Lichtstärke sind Nachtaufnahmen oder Fahrten durch Tunnel kein Problem.

Sven Fink erklärt, warum sie sich für die SIGMA fp entschieden haben: „Es ist auch eine Gewichts- und Platzfrage. Die SIGMA fp ist wunderbar leicht und kompakt. Wir haben unser Rig ursprünglich mit Profikameras von Arri geplant und gebaut. Da wir die Kameras wegen ihrer Größe sehr weit auseinanderziehen mussten, wurden auch die Ausmaße des Rigs und der Parallaxe erheblich größer. Sie ist entscheidend für ein perfekt „gestitchtes“ Bild,“ sagt Sven.

Revolution in der virtuellen Filmproduktion © Sven Fink und Benjamin Hauser

Revolution in der virtuellen Filmproduktion © Sven Fink und Benjamin Hauser
„Das große Rig war alles andere als handlich,“ findet der erfahrene Kameramann. „Die fp von SIGMA besitzt hier klare Größenvorteile,“ sagt er und beschreibt weiter, „Die Kameras können nah zusammenrücken. Der Durchmesser des Rigs, sowie die Parallaxe werden kleiner. Es ist leichter. Dadurch wird das Handling massiv erleichtert.“ Damit Erschütterungen beim Fahren gedämpft werden, wird die kreisförmige Konstruktion durch Stoßdämpfer stabilisiert. Wegen des geringen Gewichtes der SIGMA Kameras gelingt dies optimal.

Da bei den Aufnahmen große Datenmengen anfallen, meint Benjamin Hauser, das externe Aufnehmen auf SSD-Festplatten habe ihnen besonders gut gefallen. „Zwar“, so Benjamin, „haben uns einige Kleinigkeiten bei der SIGMA fp gefehlt: zum Beispiel die externe Steuerung und das Übertragen von Settings. Das konnten wir jedoch alles selber bauen, wobei wir auch Unterstützung von SIGMA bekommen haben.“

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Stitch aus 7 Kameras

Natürlich muss das Material nachbearbeitet werden. Darum kümmert sich ebenfalls Benjamin: „Wir nutzen ausschließlich das Cinema-DNG-Format. Da ist der Workflow natürlich in der Nachbearbeitung anders, verglichen mit einer professionellen Filmkamera wie der Arri Alexa. Mit dem Programm DaVinci Resolve können wir dabei beste Ergebnisse erzielen.

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Sven und Benjamin sind absolut überzeugt, die richtige Wahl mit der SIGMA fp getroffen zu haben. Sie loben die Fülle an Befestigungsmöglichkeiten (es gibt drei ¼-Zoll Gewinde), ihre Resistenz gegen Überhitzung, sowie ihren Staub- und Witterungsschutz, die hohe Framerate für Slow Motion und den nahezu nicht existenten Rolling-Shutter-Effekt. „Bei der fp hat man schon was in der Hand. Das ist kein Plastikmist,“ sagt Sven. Er findet, alles mache Sinn und sei am richtigen Platz.

Für das Bespielen der LED-Wände ist aber eines, was dieses Kamerasystem leistet, extrem wichtig, sagt Sven Fink: „In Kombination mit den Art-Objektiven produziert die SIGMA fp einfach einen unfassbar natürlichen Look.“

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Autor dieses Blogbeitrags ist der freie Journalist und Unterwasser-Fotograf Benjamin Schulze.
Für den Artikel sprach er mit Kameramann Sven Fink und seinem Kollegen Benjamin Hauser. Zusammen leiten sie die Firma Dynamic Log in Köln.