Im Gespräch mit Johannes Hulsch

Im Gespräch mit Johannes Hulsch © Johannes Hulsch

Landschaft- und Reisefotograf Johannes Hulsch aus Leipzig nimmt seine Follower immer wieder mit auf seine Abenteuer rund um den Globus. Auf dem Blog hat er uns schon von seinen Reisen nach Polen und Nordfrankreich berichtet. Dennoch ist er der Meinung, dass man für ein gutes Foto den Blick nicht in die Ferne schweifen lassen muss, denn die schönsten Dinge findet man meistens direkt vor der Haustür, da man sich dort auskennt wie kein zweiter. Wir haben uns mit ihm darüber unterhalten wie er dank Corona-Krise die heimische Natur wieder für sich entdeckte, warum Planung, Equipment und Wissen für ein gutes Foto essentiell sind und welches fotografische Ziel er sich für die Zukunft gesteckt hat.

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Hallo Johannes! Wie geht es dir? Als Reisefotograf bist du ja eigentlich viel unterwegs, aber dank Corona haben sich vermutlich all deine Pläne für dieses Frühjahr kurzfristig geändert. Wie hast du die letzten Wochen erlebt?

Mir geht es gut, auch wenn die letzten Wochen auch nicht spurlos an mir vorbei gingen. Ein paar geplante Projekte wurden nach hinten verschoben und ich hatte auf einmal etwas mehr Zeit mich in Sachsen umzuschauen, denn ich bin einfach nicht der Typ, der sich Zuhause für mehrere Wochen einschließen kann, ohne verrückt zu werden. Am Anfang habe ich oft mehrere Stunden am Tag damit verbracht Google Maps zu durchforsten, um nach außergewöhnlichen Orten zu suchen. Es ist immer wieder erstaunlich, was man in der Heimat findet, obwohl man glaubt sich eigentlich gut auszukennen.

Du bist ja der Meinung, dass man für ein gutes Foto gar nicht unbedingt verreisen muss, weil man so vieles, das sich zu fotografieren lohnt, eigentlich direkt vor der Haustür findet. Haben die vergangenen Wochen das nun nochmal bestätigt? Warst du statt in der Weltgeschichte viel vor der eigenen Haustür zum Fotografieren?

Auf jeden Fall sollte man sich in seiner unmittelbaren Umgebung immer zuerst umschauen, denn hier kann man jeden Morgen zum Sonnenaufgang auf gute Bedingungen hoffen, wo Touristen meist nur ein paar Tage Zeit haben. Ich habe das Glück, dass meine Eltern am Rande vom Erzgebirge wohnen und so konnte ich die heimische Natur wieder für mich entdecken. In meiner Kindheit haben wir an Wochenenden immer Tageswanderungen unternommen und so konnte ich dieses Frühjahr meine Kindheitserinnerungen wieder etwas auffrischen. Neben Wäldern, Gesteinsformationen, Burgen gibt es auch viele kleine Dörfer mit historischem Stadtzentrum, die recht fotogen sind im Erzgebirge. Wenn die Wettervorhersage es zuließ war ich also jeden Morgen unterwegs und wurde auch nie wirklich enttäuscht.

Im Gespräch mit Johannes Hulsch © Johannes Hulsch

Wie bist du eigentlich zur Fotografie gekommen? Hast du eine Ausbildung gemacht oder bist du Quereinsteiger?

Ich habe nach der Schulzeit das Reisen und die Natur immer mehr für mich entdeckt und nach einer passenden Plattform für Inspiration gesucht. Damals war Instagram noch nicht so ein riesiges Netzwerk wie heute, wo praktisch jeder angemeldet ist. Ich habe also eher aus Spaß angefangen Schnappschüsse mit dem Handy dort hochzuladen und bin immer am Ball geblieben. Mit der Zeit kam dann der Gedanke vom Handy auf eine richtige DSLR umzusteigen und die Qualität etwas zu erhöhen. Gerade bei schwierigen Lichtbedingungen, wie Sonnenauf- und -untergang hat die Handykamera oft kein brauchbares Bild mehr hergegeben. Durch die Interaktion auf Instagram, als auch später bei späteren Treffen mit Gleichgesinnten tauschte man sich über verschiedene Techniken aus und lernte ständig seine Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen zu verbessern. Gerne habe ich mir auch bei theoretischen Fragen, wie beispielsweise zum Thema Langzeitbelichtung, Kamerareinigung oder der Objektivwahl Youtube-Tutorials angeschaut, um mich dort autodidaktisch weiterzubilden. Heute schaue ich mir immer noch gerne Testberichte zu den neuesten Kameras oder auch Reisebereichte zu einer Destination an, die ich demnächst besuchen werde, um mich mit allem vertraut zu machen.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Und wie hat sich dieser Stil mit der Zeit entwickelt? Hast du Vorbilder, die dich inspirieren? Wenn ja, wen?

Ich finde mein Stil hat sich im Laufe der Jahre schon sehr stark gewandelt, was auch gut so ist. Anfang war ich ein typischer Stativträger. Ich habe immer meine ND-Filter dabeigehabt und möglichst alles in Langzeitbelichtung mit ziehenden Wolken oder Blende 11 und Sonnenstern fotografiert. Danach kam die Zeit wo ich ins genaue Gegenteil gegangen bin, immer die Blende möglichst weit offen hatte und bis auf einen Punkt im Bild möglichst alles in der Unschärfe lag. So konnte man sich von dem Smartphone damals noch etwas abheben. Heute haben alle Smartphone-Hersteller ihren eigenen Portrait-Mode verbaut, der im Alltag auch ganz passable Ergebnisse liefert. Danach kam die Zeit, wo ich mich ausschließlich auf die Natur fokussiert habe und viel in den Bergen gewandert bin. Mittlerweile bin ich etwas weg von der reinen Landschaftsfotografie und interessiere mich auch für Architektur, wie alte Fachwerkhäuser oder Burgen. Die Stilfindung ist natürlich ein ständig andauernder Prozess und ich bin noch längst nicht am Ende angekommen. Prinzipiell würde ich jedem raten, der gerade das Fotografieren für sich entdeckt, sich in allen Bereichen einmal auszuprobieren, anstatt strikt einem Vorbild nachzueifern. Auch ich habe Freunde abseits der Reise- und Landschaftsbranche, wie Hochzeits- oder Reportagefotografen. Diese eröffnen einem meist einen anderen Blickwinkel und bringen neue Ideen ins Spiel.

Im Gespräch mit Johannes Hulsch © Johannes Hulsch

Was zeichnet deiner Meinung nach einen guten Fotografen aus?

Ich finde ein guter Fotograf, besonders im Landschafts- und Reisebereich sollte immer bereit sein den einen Schritt extra zu gehen, den alle anderen nicht gehen. Natürlich ist es unbequem, wenn im Sommer der Wecker schon um drei klingelt und man sich auf den Weg machen muss um möglichst als erster auf dem Berg zu stehen oder man jeden Morgen im Herbst in der Hoffnung auf Bodennebel zur Location fährt und man erst beim fünften Mal Glück hat. Dafür kann man nachher stolz sein, dass man ein Bild bekommen hat, das einzigartig ist und so schnell keinem anderen gelingt. Als guter Fotograf sollte man auch immer seine eigene Kreativität mit ins Spiel bringen. Es ist einfach zu Orten zu fahren, wo man genau weiß, was einen erwartet. Man stellt sich genau dahin, wo man die Perspektive hat, die man sich vorher auf Instagram gespeichert hat und hat am Ende ein Foto, das sich auf jedem Landschaftsfotografenprofil wiederfindet. Damit möchte ich nicht sagen, dass man sich nicht inspirieren lassen darf. Orte, wie das Schloss Neuschwanstein, der Pragser Wildsee oder das Matterhorn sind nicht ohne Grund Touristenmagnete, die jedes Jahr Hunderttausende in ihren Bann ziehen, jedoch lässt sich auch abseits bekannter Pfade dort immer wieder neues entdecken. Gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit kann man die Gelegenheit nutzen, um lokal ein paar neue Orte zu entdecken.

Verrätst du uns deine 3 besten Tipps für ein wirklich gelungenes Foto?

  1. Planung
  2. Equipment
  3. Wissen

An vorderster Stelle für ein gelungenes Foto steht für mich die Planung. Man sollte im Voraus immer den Wetterbericht beobachten und erst dann losfahren, wenn auch die Vorhersage passend ist. Um den Startort der Sonne, des Mondes oder der Milchstraße an einem bestimmten Ort zu bestimmten, benutze ich verschiedene Smartphone Apps, wie Photopills oder Sun Surveyor. Nun bleibt nur noch den richtigen Weg zu Spot zu finden, für die gewünschte Perspektive. Dabei helfen oft Erfahrungsberichte von Freunden oder aus dem Netz.

Ein weiterer wichtiger Punkt hin zum gelungenen Foto stellt das richtige Equipment da. Es hilft nichts am Ende bei bestem Licht an der Location zu sein, das Motiv ist ein Kilometer weg und man hat nur ein Weitwinkel dabei. Klar ist in den letzten Jahren durch die ständig steigende Zahl der Auflösung von Digitalkameras im Post Processing noch aus den Bildern einiges rauszuholen. Es ist immer einfacher vor Ort das bestmögliche Bild zu schießen, als im Nachgang noch Stunden in Photoshop oder Lightroom mit der Retusche zu verschwenden.

Dies bringt mich zu meinem letzten Tipp, sich genügend Wissen anzueignen. Es spart viel Zeit und Nerven, wenn man die Basics der Kamera und Bearbeitung beherrscht. Viele Automatik Funktionen, wie beispielsweise der Timelapse Modus oder der schneller Autofokus erleichtern einem die Arbeit und man kann sich besser auf das Fotografieren an sich konzentrieren. Man lernt natürlich nie aus, denn gefühlt jedes Jahr kommen neue, schnellere und bessere Kamerasysteme auf den Markt, die einem immer mehr abnehmen. Deshalb sollte man immer abwägen, wie viel Nutzen diese einem wirklich bringen und nicht sofort den Kaufdrang nachgeben. Am Ende macht immer noch der Fotograf das Bild und nicht die Kamera.

Im Gespräch mit Johannes Hulsch © Johannes Hulsch

Gibt es ein Bild, von dem du schon ewig träumst, aber noch nie in den Kasten bekommen hast?

Ein einzelnes Bild, was ich unbedingt noch brauche habe ich nicht wirklich, jedoch würde ich gerne irgendwann einmal in den Himalayas wandern gehen und zumindest von weitem einmal den Mount Everest fotografieren. Ich glaube bis ganz hoch werde ich es wohl nie schaffen und die ganzen finanziellen und körperlichen Strapazen sind es mir am Ende nicht wert, jedoch einmal den höchsten Berg der Welt mit eigenen Augen gesehen zu haben, könnte noch ein realistisches Ziel für die Zukunft sein. Hoffen wir also, dass internationale Reisen bald wieder möglich sind.

Welches SIGMA Objektiv darf in deiner Fototasche niemals fehlen und warum?

Für mich ist das SIGMA 24–70mm F2,8 DG DN | Art der perfekte Begleiter für den Alltag, da es vom Weitwinkel bis leichtes Tele einen Bereich abdeckt, den ich am häufigsten auf meinen Reisen brauche. Mit der 2,8er Blende ist es zudem sehr lichtstark und außerdem bildstabilisiert, was es auch nützlich macht zum Filmen oder Fotografieren frei Hand bei wenig Licht. Für mich ist es also sehr vielseitig einsetzbar und spart mir das Gewicht von meinen drei Festbrennweiten 24mm 1.4, 35mm 1.4 und 50mm 1.4.

Im Gespräch mit Johannes Hulsch © Johannes Hulsch

Wie wird es jetzt bei dir weitergehen? Was möchtest du als Fotograf in naher Zukunft erreichen?

Ich habe für mich entschieden aufgrund der aktuellen Situation meine Flugreisen auf das nötigste zu beschränken und in nächster Zeit mehr mit dem Auto zu unternehmen. Klar ist man dadurch nicht so schnell im Zurücklegen von längeren Distanzen, dafür nimmt man sich etwas mehr Zeit die Orte wirklich zu erkunden. Durch diese Entschleunigung kann man sich auch einmal mehr als einen Sonnenauf-/Sonnenuntergang Zeit nehmen, wenn die Bedingungen beim ersten Versuch nicht ausreichend waren. Ich möchte auch für den lokalen Tourismus, beispielsweise in Sachsen oder Deutschland allgemein mehr tun, da ich in den letzten Monaten gemerkt habe, wie viel vom eigenen Land ich eigentlich noch nicht gesehen habe und sich viele Orte landschaftlich als auch kulturell stark unterscheiden. Das möchte ich auch an meine Community weitergeben und deren Entdeckergeist wecken. Ich finde es gut, dass jetzt allgemein mehr Wert auf Sauberkeit und Hygiene gelegt wird und auch der Kreativbranche oder Selbständigen im Allgemeinen mehr Respekt für ihre Arbeit entgegengebracht wird.

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Vielen Dank für das Interview, Johannes! Wer noch mehr über Johannes Hulsch erfahren will, sollte sich auf jeden Fall seinen Instagram-Account @bokehm0n ansehen!

Alle Bilder dieses Beitrags in der Übersicht

© Johannes Hulsch
Johannes Hulsch

Aufgewachsen in einer ländlichen Gegend entdeckte Johannes Hulsch bereits früh die Schönheit der Natur für sich. Mit der alten Kamera seines Vaters begann er seine ersten Schritte im Bereich der Landschaftsfotografie. Dabei beschränkte er sicher vorerst auf das Gebiet des Erzgebirges. Mit zunehmendem Erfolg seiner Bildern in den sozialen Medien begannen sich auch die Reisen auf Deutschland und Europa auszuweiten. Mittlerweile ist er selbständig als Landschaft- und Reisefotograf in Leipzig ansässig und nimmt seine Follower mit auf seine Abenteuer rund um den Globus. Jedoch gilt für ihn nach wie vor das Motto: „Für ein gutes Foto muss man seinen Blick nicht in die Ferne schweifen lassen, die schönsten Dinge findet man meistens direkt vor der Haustür, da man sich dort auskennt wie kein zweiter.“

Instagram: @bokehmOn

1 Comment

  • 3. Juni 2020 at 17:43 — Reply

    Tolle Bilder … und ja, stimmt, auch Deutschland hat so viel zu bieten. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt!?!

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