Ein lichtstarker Begleiter – Maltas Perle Gozo mit dem SIGMA 24mm F1,4 DG HSM | Art

© Johannes Schmidt

Ich hatte in diesem Sommer die Gelegenheit, das außergewöhnliche SIGMA 24mm F1,4 DG HSM | Art auf der wunderschönen Insel Gozo (Malta) ausgiebig zu testen und kennenzulernen.

Gozo ist die zweitgrößte Insel der Republik Malta und liegt nordwestlich der deutlich größeren Hauptinsel. Mit einer Fläche von nur 67 km², ist die Insel mit ihren zahlreichen, einzigartigen Orten super in Tagesreisen zu erkunden und offenbart dabei eine abwechslungsreiche und spannende Landschaft. Das funktioniert übrigens auch sehr gut mit dem öffentlichen Nahverkehr: Zahlreiche Buslinien durchziehen im Stundentakt die Insel. Trotz ihrer geringen Größe gibt es unglaublich viel zu entdecken. Denn die Insel ist reich an beeindruckenden Landschaften und malerischen Szenen in den kleinen Ortschaften und Städten.

Im Gepäck hatte ich für diese Reise neben meiner Sony A7S, die sonst fast nur für Video genutzt wird, auch das brandneue SIGMA 24mm F1,4 DG HSM | Art für Sony E-Mount, das erst einige Tage zuvor bei mir eingetroffen war und bisher nur testweise auf die Kamera aufgesetzt wurde. Als fotografische Herausforderung will ich auf dieser Reise ausschließlich mit diesem Objektiv und dieser Brenn-weite fotografieren.

Das Objektiv beeindruckt – genauso wie die anderen Objektive der Art-Serie – bereits beim ersten Auspacken durch die extrem wertige Verarbeitung und Haptik. So ist der Body nahezu ausschließlich aus Metall gefertigt. Der große, gummierte Fokusring läuft zudem weich, erlaubt aber gleichzeitig eine sehr präzise Kontrolle der Fokussierung. Er ist – zu meiner Freude – komplett mechanisch und nicht als „Fokus-by-Wire“ ausgeführt, sodass jederzeit manuell in den Autofokus eingegriffen werden kann. Diese – eigentlich selbstverständliche – feste Relation zwischen Drehwinkel und Fokusebene ist für Fotografen wie mich, die viel mit alten und manuellen Objektiven arbeiten, ein unschlagbarer Vorteil. Mit in der Box ist außerdem eine wertige Transporttasche mit Reißverschluss und eine Sonnenblende für das Objektiv.

© Johannes Schmidt

Natürlich war der Plan, das Objektiv in erster Linie für Landschaft, Architektur und Natur auf Gozo zu nutzen. Wirklich gespannt war ich allerdings wie sich diese, doch recht außergewöhnliche Kombination aus Brennweite und Lichtstärke für die Street- und Low-Light-Photography in der Hauptstadt Vicoria (Rabat) schlagen würde.

Bereits bei der Überfahrt von Maltas Hauptinsel nach Gozo mit der „Gozo Channel Line“ erschlagen einen die kräftigen Farben, das klare Wasser und die unglaubliche Schönheit dieser Landschaft. Das SIGMA 24mm F1,4 DG HSM | Art fängt diese Kontraste eindrucksvoll ein: Denn die Bilder sind scharf, knackig und kontrastreich – unabhängig von der gewählten Blende. Im Vergleich zu einem – etwas in die Jahre gekommenen – Nikkor 24mm f2.8, adaptiert an die Sony, überragt dieses Art-Objektiv das Nikon bei jeder Blende enorm. Bei diesen ersten Tests steigt so die Vorfreude, mit diesem Objektiv in Zukunft zu arbeiten. Denn die Haptik und optische Qualität des Objektivs machen von der ersten Minute an Spaß.

Etwas problematisch zeigt sich die Kombination aus der A7S und dem SIGMA-Objektiv beim Thema Autofokus: Bei starkem Sonnenschein und sehr hellem Wetter fällt es dem Autofokus oft schwer, richtig zu treffen. Meistens ist dies offensichtlich und kann durch den manuellen Eingriff leicht korrigiert werden. Bei einigen Aufnahmen ist der leicht falsche Autofokus jedoch erst in der Nachbearbeitung aufgefallen. Diese Problematik ist allerdings weniger auf das Objektiv, sondern mehr auf den fehlenden Phasenautofokus der A7S zurückzuführen. Denn sie misst die Bildschärfe ausschließlich kontrastbasiert – anscheinend ein Problem bei zu viel Licht.

© Johannes Schmidt

Für den Nachmittag des Ankunftstages war ein Trip zur „Ramla Bay“ – einer Bucht mit tiefrotem Sandstrand – geplant. Mit dem Bus geht es von der Hauptstadt Victoria an die Küste im Nordosten der Insel. Da der Strand selber durch unzählige Badegäste bevölkert und belagert ist, beschließe ich, einen kleinen Wanderpfad in östlicher Richtung zu nehmen. Die Kamera immer in der Hand geht es über steinige, trockene Pfade die Küste entlang. Objektiv und Kamera scheinen – im Gegensatz zu mir – völlig unbeeindruckt von der Hitze und dem Staub, der sich irgendwann überall befindet. Wie bei den meisten meiner Aufnahmen, arbeite ich auch hier nahezu ausschließlich mit der Blendenpriorität, um Tiefenschärfe, Bildschärfe und Vignettierung bewusst zu kontrollieren. Die Landschaftsbilder bestätigen den ersten Eindruck des Objektivs von der Überfahrt, denn die Bilder sind einfach bei jeder Blende scharf.

Ein derartiger Weitwinkel sollte in der Landschaftsfotografie nur sehr bewusst eingesetzt werden. Zumindest, wenn der Horizont eine zentrale Rolle im Bild einnimmt. Denn dieser verzeiht keinerlei Objektivverzerrung. Allerdings ist er beim SIGMA 24mm F1,4 DG HSM | Art kaum vorhanden und nahezu nicht wahrnehmbar.

Hoch über der „Ramla Bay“ befindet sich die „Tal mixta“ cave: eine große Höhlenöffnung mit einem eindrucksvollen Blick über die Bucht und den Strand. Fotografisch ist sie eine Herausforderung, denn die lichtdurchflutete Bucht außen und das dunkle Felsgestein innen bilden einen enormen Kontrast.

Um in solchen Situationen auch ohne Stativ spontan Mehrfachbelichtungen durchführen zu können, habe ich eigentlich immer ein kleines Kamerakissen mit Stativgewinde in meinem Rucksack, mit dem jeder Fels (oder im Zweifel auch der Kamerarucksack selber) zum Stativ werden kann. Am detailreichen und feinen Felsgestein zeigt sich, dass das Objektiv nicht nur in der Bildmitte, sondern bis in die Ecken eine enorme, optische Qualität aufweist.

© Johannes Schmidt

Beim Schlendern durch Victoria lasse ich mich durch die kleinen Gassen und die kleinen Details inspirieren. Das Objektiv liegt – trotz seiner massiven Haptik – exzellent in der Hand und ist nicht zu schwer, sodass ich die Kamera fast durchgängig in der Hand haben kann und zahlreiche Schnappschüsse hier entstehen. Beim Schlendern durch einen Ort oder eine Stadt lohnt es sich, genauer hinzuschauen und sich nicht nur auf die eindrucksvolle Architektur zu fokussieren, sondern auch die kleinen Details und Geschichten zu suchen. Sich dabei treiben zu lassen und nicht nur den ausgetretenen Pfaden zu folgen, sondern auch die abgelegeneren Ecken eines Ortes zu erkunden.

Denn die Bilder macht letztendlich weder die Kamera, noch das exzellente Objektiv, sondern ihr mit euren Augen, eurem Gespür für den richtigen Moment und das richtige Detail. Um eine Geschichte im richtigen Moment einzufangen, solltet ihr euch so wenig wie möglich mit der Kamera beschäftigen müssen. Ich stelle dazu die Kamera wieder auf Blende f4.0, festen Weißabgleich und Sensorempfindlichkeit ein und nutze bei der Street-Photography gerne auch den Autofokus.

Sein größtes Alleinstellungsmerkmal kann das Objektiv allerdings erst nach Sonnenuntergang vollständig ausspielen. Ich fahre dazu zu den Salinen, den „Salt Pans“ von Gozo, ganz im Norden der Insel. Hier sind unzählige, kleine Becken in Felse gehauen oder aus Steinen geformt, um das Meerwasser einzudampfen und Meersalz zu gewinnen. Im Licht der Abenddämmerung, wenn die tiefe, blutrote Sonne in den Salinen reflektiert wird, sind diese einsamen Strukturen ein malerisches Bild.

© Johannes Schmidt

Zurück in Victoria erlaubt die enorme Lichtstärke bei einem derartigen Weitwinkel außergewöhnliche Aufnahmen und einen einzigartigen Bildeindruck: Denn die kleine Tiefenschärfe bei großem Bildwinkel ist nicht alltäglich. Das Bokeh des Objektivs ist durchwegs ästhetisch und ausgewogen.

Die anfänglichen Probleme mit dem kontrastbasierten Autofokus der A7S sind bei der Dämmerung vollständig verschwunden und das Objektiv fokussiert jedes Mal absolut treffsicher und schnell. Die Street-Photography bei Dunkelheit mit einem so lichtstarken Weitwinkel auf einer so lichtempfindlichen Kamera macht einfach Spaß. Denn man kann sich auf die Geschichten und Menschen fokussieren und muss sich weniger Gedanken über Belichtungszeit oder Bildrauschen machen.

Die Arbeit mit einem Weitwinkelobjektiv dieser Brennweite macht einfach Spaß und die bewusste Beschränkung zwingt einen, sich intensiv mit dem Aufbau des Bildes auseinanderzusetzen. Die hohe Lichtstärke des SIGMA 24mm F1,4 DG HSM | Art macht das Objektiv ideal für Street-Photography bei Tag oder Nacht. Aber auch bei Landschaftsaufnahmen und Architektur besticht das Objektiv durch die exzellente Bildschärfe bis in die Randbereiche und den exzellenten Kontrast.

Den Bericht schrieb Johannes Schmidt.

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