Die Blende – Das Gestaltungsmittel in der Fotografie

Blendenvergleich © Antonia Moers

In einem meiner letzten Blogbeiträge habe ich euch bereits einige Tipps mit auf dem Weg gegeben, wie man seine Urlaubsbilder aufwerten kann. Diese Tipps sind letztendlich klassische Gestaltungsregeln mit denen man nicht nur seine Urlaubsbilder, sondern alle Fotografien aufwerten und seinen eigenen Bildstil finden kann.

Zum Schluss des Beitrages habe ich eines der wichtigsten Gestaltungsmittel vorgestellt – letztendlich das Gestaltungsmittel in der Fotografie: die Blende. Denn mit der Blende hat man die Möglichkeit mit der Schärfe- und dem Unschärfeverhältnis im Bild zu spielen.

Aber was ist eigentlich die Blende und wie kann ich damit gestalterisch arbeiten? Die Blende ist eine mechanische Vorrichtung im Objektiv, über die sich die Weite der Objektivöffnung regeln lässt und die einfallende Lichtmenge geregelt wird. Somit ist die Blende neben der Belichtungszeit das wichtigste Element, um die Helligkeit des Bildes zu steuern. Dies ist eine wichtige Funktion, denn der Bildsensor, der das Negativ ersetzt, benötigt eine bestimmte Menge an Licht, um ein richtig belichtetes Foto erstellen zu können. Wenn durch eine Fehleinstellung der Blende und der Belichtungszeit zu viel Licht auf den Sensor kommt, wird das Bild zu hell, dies nennt man Überbelichtung. Im umgekehrten Fall, wenn das Bild zu dunkel belichtet wird, redet man von einer Unterbelichtung.

Gerade als Einsteiger ist es am Anfang besonders schwierig, gleichzeitig die richtige Blende und die richtige Belichtungszeit für ein korrekt belichtetes Bild zu wählen. Deswegen würde ich empfehlen, klein anzufangen und vom Vollautomatikmodus der Kamera erst mal in einen halbautomatischen Modus um zu schalten. In dem Fall wäre das dann die Zeitautomatik und je nach Kamerahersteller ist dieser Modus mit „A“ oder „Av“ gekennzeichnet. Wie der Name bereits erahnen lässt, wird in diesem Modus die Zeit, also die Belichtungszeit, automatisch von der Kamera gewählt. Das heißt ihr wählt nur eine Blendeneinstellung, mit der ihr arbeiten möchtet, und die Kamera wird die richtige Belichtungszeit wählen, sodass hinterher eine korrekt belichtete Aufnahme entsteht.
Aber woher weiß man, welche Blendeneinstellung man wählen sollte? 

Blendenvergleich © Antonia Moers

Die Blende übt gleichzeitig auch Einfluss auf die Tiefenschärfe aus, dementsprechend ist die Wahl der Blendeneinstellung nicht nur wichtig für ein korrekt belichtetes Foto, sondern auch für die Gestaltung. Je nach Objektiv sind unterschiedliche Blendeneinstellungen möglich.

Ihr erkennt an der Objektivbezeichnung welchen kleinstmöglichen Blendenwert ihr am Objektiv einstellen könnt. Wir nehmen mal als Beispiel den Allrounder das SIGMA 18-300mm F3,5-6,3 DC Makro OS HSM | Contemporary. Der Bereich F3,5-6,3 gibt den kleinstmöglichen Blendenwert an, den ihr einstellen könnt. Da es sich in diesem Fall um ein Zoomobjektiv handelt, sind zwei Werte angegeben. Im Weitwinkelbereich von 18mm ist die kleinstmögliche Blende F3,5, die man einstellen kann. Sobald man aber die Zoomfunktion nutzt und somit die vollen 300mm der Brennweite des Objektives, ist die kleinstmögliche Blende F6,3. Es gibt aber noch deutlich niedrigere Blendenwerte die man einstellen kann, wie zum Beispiel beim lichtstarken Standard-Objektiv SIGMA 50mm F1,4 DG HSM | Art, da lässt sich der Blendenwert F1,4 als kleinstmöglicher Wert einstellen und dadurch, dass es sich um eine Festbrennweite, sprich ein Objektiv ohne die Möglichkeit zu zoomen handelt, variiert die kleinstmögliche Blende nicht. 

Blendenvergleich © Antonia Moers

Jetzt kommt der verwirrende Teil:

  • Je kleiner der eingestellte Blendenwert/Blendenzahl, desto kleiner ist der Bereich der Tiefenschärfe, aber desto größer ist die Blendenöffnung und desto mehr Licht trifft auf den Sensor.
  • Je größer der eingestellte Blendenwert/Blendenzahl, desto größer ist der Bereich der Tiefenschärfe, aber umso kleiner ist die Blendenöffnung und umso weniger Licht kommt hinten beim Sensor an.

Deswegen spricht man bei einem Objektiv mit einer Blende von F1,4 auch von einem lichtstarken Objektiv, weil durch die sehr große Blendenöffnung sehr viel Licht zum Sensor gelangen kann und dies in lichtarmen Situationen wie z.B. in Kirchen sehr von Vorteil sein kann.

Man erkennt unschwer an den Bildbeispielen, dass bei der Aufnahme die mit F1,8 erstellt wurde, nur ein sehr kleiner Teil des Bildes scharf ist und der Rest in einer deutlichen Unschärfe verschwindet, also ist in diesem Bild eine kleine Tiefenschärfe zu sehen. Je höher der eingestellte Blendenwert wird, desto größer ist der Tiefenschärfebereich, desto mehr ist scharf abgebildet.

Also muss man sich beim Arbeiten mit der Blende zu aller erst überlegen, was möchte ich wie darstellen. Sollen viele Details zu erkennen sein, dann wäre ein größer Blendenwert ratsam, damit so viel wie möglich im Bild scharf abgebildet wird. Sollte man kreativer arbeiten wollen, kann man dies mit einem kleinerem Blendenwert wunderbar unterstützen und setzt ein bestimmtes Detail durch die Schärfe in Szene und der Rest verschwindet in einer Unschärfe. Gerade bei Portraitaufnahmen wird auch sehr gerne mit einer kleinen Tiefenschärfe gearbeitet.

Dementsprechend wählt ihr dann die gewünschte Blendeneinstellung im A oder Av Modus aus und die Kamera wählt die richtige Belichtungszeit, damit ihr ein korrekt belichtetes Bild erhaltet. Aber Achtung! In sehr kritischen Situation, wie z.B. in einer dunklen Kirche, mit einem großen Blendenwert würde die Kamera eine lange Belichtungszeit wählen, weil durch die kleine Blendenöffnung wenig Licht dringt. Das bedeutet Verwacklungsgefahr! Entweder benötigt man in der Situation ein Stativ, oder man stellt den ISO Wert höher ein. 

Blendenvergleich © Antonia Moers

Eine weitere Gefahr ist, dass man bei der Blendeneinstellung F1,4 unterschätzt, wie klein der Tiefenschärfebereich tatsächlich ist und wie schnell nicht der richtige Punkt scharf gestellt ist. Als Beispiel, bei einem Portrait kann es passieren, dass man aus Versehen die Nasenspitze scharf stellt und dann sind unter Umständen die Augen bereits unscharf. Allerdings ist es nicht nur so, dass eine kleine Blendeneinstellung den kleinen Tiefenschärfebereich unterstützt, sondern zusätzlich auch der Aufnahmeabstand zum Motiv und die verwendete Brennweite am Objektiv. Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Je kleiner der Blendenwert, je länger die Brennweite und je näher man am Motiv sitzt, umso kleiner ist der Tiefenschärfebereich.

Ein weiterer schöner Effekt ist es, wenn man die Sonne mit im Bild einfängt und die Sonnenstrahlen sich in einem Gegenstand brechen (als ein Gegenstand, in diesem Fall die Blätter teilweise bedecken), so wird bei einem großen Blendenwert die Sonne als ein Stern dargestellt.
Sonne in Sternform © Antonia MoersIch kann euch nur ans Herz legen, die Kamera zu schnappen und die Zeitautomatik einzustellen, dann ein einfaches Motiv zu wählen und dieses sowohl mit eurer kleinstmöglichen Blende und größtmöglichen Blende zu fotografieren um ein Gefühl für die Blende zu bekommen und dann bei euren weiteren Motivsuche bewusst die Blende zu wählen.

Alle Bilder dieses Beitrags in der Übersicht

Antonia Moers
Antonia Moers
Fotografin aus Leidenschaft

Als gelernte Fotografin unterstützt Antonia das Marketing Team der SIGMA (Deutschland) GmbH mit ihrem fotografischen Fachwissen und neuen, inspirierenden Ideen. Nach Stationen in verschiedenen Fotostudios setzt sie heute gerne aufwändige Projekte verschiedener Stilrichtungen um.

Leave a Reply