Der richtige Umgang mit einem Modell

Beautyfotografie © Antonia Moers

In meinen letzten beiden Blogbeiträgen habe ich bereits das Thema Portraitfotografie behandelt, indem ich zwei unterschiedliche Brennweitenvergleiche (Teil 1 und Teil 2) anhand von Portraitaufnahmen durchgeführt habe. In diesem Beitrag möchte ich gerne noch mal das Thema Portraitfotografie ansprechen, aber dieses Mal wird es kein technischer Beitrag, sondern einer über den richtigen Umgang mit dem Modell.

Wenn ich das Wort Modell benutzte, steht es in diesem Fall nicht für das Model, welches berufliche Erfahrungen auf dem Laufsteg und vor der Kamera hat. Sondern für mich ist es ein Synonym eines jeden Menschen, der vor der Kamera steht. Denn ob Berufsmodel oder Modell, jeder Mensch vor der Kamera verdient eine gleich gute Behandlung beziehungsweise Betreuung und leider habe ich schon sehr häufig mitbekommen, dass einige Fotografen, egal ob Berufs- oder Hobbyfotografen, sehr schlecht mit ihren Modellen umgehen. Damit meine ich nicht, dass diese in irgendeiner Weise dem Modell gegenüber gemein oder handgreiflich werden, sondern dass ich sehr häufig beobachten konnte, wie die Modelle sich zu Beispiel vor der Kamera sehr unwohl fühlten und es in der Hand des Fotografen lag, diese Situation zu ändern.

Beautyfotografie © Antonia MoersWarum sollte man dies ändern? Erst wenn sich jemand vor der Kamera wohl fühlt und dann noch gut angeleitet wird, wie er sich bewegen soll, erst dann kommt man zu richtig guten Bildergebnissen. Ich bin mir sicher, dass viele Fotografen sich dessen gar nicht bewusst sind, wie sie mit ihren Modellen umgehen. Deswegen kann ich in erster Linie immer empfehlen, sich mal von einem Fotografen fotografieren zu lassen und dann selbst zu reflektieren, wie man sich dabei gefühlt hat. Wann hat man sich dabei gut und nicht so gut gefühlt? Dieses Erlebnis hilft sehr, um sich in ein Modell hineinversetzen zu können. 

Beautyfotografie © Antonia Moers

Da ich einige Jahre als Portraitfotografin gearbeitet habe und somit sehr viele Kunden, die wenig bis hin zu gar keine Erfahrung vor der Kamera hatten, fotografieren durfte, habe ich meine Erfahrungen sammeln können, welches Verhalten meinerseits zielführender ist und welches nicht. Natürlich lässt sich eins ganz klar vorab bestimmen: jeder Mensch ist unterschiedlich und man sollte sich für jede Person Zeit nehmen und auf sie eingehen. Dennoch gilt dabei Folgendes:

Abstand bitte!

Je besser man eine Person kennt und je vertrauter man mit ihr ist, desto weiter darf man sich ihr nähern. Wer allerdings die angemessene Entfernung verletzt, stößt schnell auf Ablehnung. Es gibt die sogenannten drei Distanzzonen:

Die intime Distanzzone, diese bewegt sich in einer Distanz von ca. 50 cm um uns und in diese Zone lassen wir in der Regel nur Familienmitglieder, Freunde oder andere sehr vertraute Personen. Die persönliche Distanzzone bewegt sich im Bereich bis zu 1 m um eine Person und ist eine gute Distanz um persönliche Gespräche zu führen, da wir uns dabei weder bedrängt noch bedroht fühlen. Und dann gibt es die gesellschaftliche Distanzzone, diese nimmt einen Bereich von 1-2 Metern um eine Person herum ein. Dieser Bereich sollte eingehalten werden, wenn wir die andere Person nicht kennen und eine Kontaktaufnahmen nicht erwünschen. Allerdings gilt bei diesen Distanzzonen genauso, je südlicher die Herkunft umso stärker verringern sich diese Distanzzonen.

Worauf ich hinaus möchte, ist nicht, dass man zu jedem Modell zwei Meter Abstand halten sollte, sondern dass, wenn man die Person nicht gut kennt, sich ihr langsam nähern und langsam deren Vertrauen erarbeiten sollte. Ansonsten fühlt sich das Modell schnell überrumpelt und unwohl, dementsprechend unentspannt verhält es sich dann vor der Kamera. Das führt zum zweiten wichtigen Punkt: 

Beautyfotografie © Antonia Moers

Berührungen!

Warum sollte ich ein Modell überhaupt berühren wollen? Naja, es gibt durchaus Situationen, die ein Eingreifen erfordern. Wenn der Kragen vom Hemd absteht oder eine Haarsträhne, wäre es der professionelle Weg, dies vorab zu korrigieren anstatt mit der Hilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes.

Es gibt da keine offizielle Regel, aber ich habe die Erfahrung gesammelt, wenn ich die Person um Erlaubnis frage, bevor ich sie berühre bzw. in ihre intime Distanzzone eindringe, dass sie dann viel entspannter ist, weil sie merkt, dass ich ihrem persönlichen Wohlfühlraum Respekt zolle. Und gleichzeitig ist sie dankbar, dass ich einen potenziellen Bildstörer entdeckt und entfernt habe. Dies schafft Vertrauen, weil das Modell merkt, dass ich sehr aufmerksam bin und dies wird automatisch mit Professionalität verbunden.

Beautyfotografie © Antonia MoersWarum ist ein entspanntes Modell so wichtig? Der Otto-Normal-Typ, der eventuell ein Geschäftsportrait benötigt oder beim Familienbild dabei sein soll, wird klassischerweise immer sagen, dass er nicht gerne fotografiert wird, dass er immer schlecht auf Fotos aussieht oder etwas Ähnliches und dass er aber die Fotos benötigt. Vielleicht besteht auch einfach der Wunsch, endlich mal schöne Fotografien zu erhalten und jemand traut sich aus seiner Komfortzone heraus und gibt einem Fotografen eine weitere Chance. 

Beautyfotografie © Antonia Moers

Das heißt, das Modell fühlt sich während des Fotografierens grundsätzlich nicht wohl in seiner Haut und es liegt bis zu einem gewissen Grad in der Macht des Fotografen dies zu ändern um dann gute Ergebnisse zu erhalten, die das Modell eines Besseren belehrt.

Wenn man die bisher genannten Punkte beherzigt und einen guten Weg von einem Smalltalk in ein nettes Gespräch findet, was zu einer direkten Wohlfühlatmosphäre führt, gibt es nur noch eins zu beachten:

Anweisungen geben!

Dies ist eigentlich der größte Punkt, der mir immer wieder auffällt. Wenn man kein erfahrenes Fotomodell vor der Linse hat, weiß das Modell in der Regel nicht, wie es sich positionieren und in die Kamera schauen soll. Dafür werden klare Anweisungen im sanften, dennoch deutlichen Ton benötigt. Bedenken sollte man auch, dass wenn man darum bittet während der nächsten Aufnahme nach rechts zu schauen, das Modell das eigene rechts nimmt und für uns Gegenüberstehender nach links schaut. Also entweder ist man dazu in der Lage spiegelverkehrt zu denken und bittet dann das Modell darum zu ihrer linken Seite zu schauen oder man gibt deutliche Zeichen mit den Armen.
Wenn das Modell dann eine gute Pose eingenommen hat, benötigt es noch ein wenig Fingerspitzengefühl, um unterschiedliche Gesichtsausdrücke zu erhalten. Da das Modell nicht weiß, was der Fotograf nun von ihm erwartet, sind klare Anweisungen nötig, was man in diesem Moment sehen möchte.

Wenn dem Modell keine klaren Anweisungen gegeben werden, fällt die Person sehr schnell in ihre alten Unsicherheiten zurück und dies kann wieder nicht zu einem perfekten Ergebnis führen.

Natürlich gibt es durchaus noch mehr Sachen, die man im Umgang mit der Person vor der Kamera beachten sollte, dennoch denke ich hier erst mal die aller wichtigsten aufgezählt zu haben. Außer man möchte bewusst, wie bei meiner hier gezeigten Serie, eher untypische Gesichtsausdrücke. Die Aufnahmen sind übrigens alle mit einem erfahrenen Model entstanden, aber wer alle hier genannten Regeln beachtet, hätte diese Aufnahmen auch mit einem weniger erfahrenen Modell erreichen können. 

Beautyfotografie © Antonia Moers

Alle Bilder dieses Beitrags in der Übersicht

Antonia Moers
Antonia Moers
Fotografin aus Leidenschaft

Als gelernte Fotografin unterstützt Antonia das Marketing Team der SIGMA (Deutschland) GmbH mit ihrem fotografischen Fachwissen und neuen, inspirierenden Ideen. Nach Stationen in verschiedenen Fotostudios setzt sie heute gerne aufwändige Projekte verschiedener Stilrichtungen um.

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