Beauty Editorial: Von der Idee ins Magazin in 7 Schritten

Beautyfotografie © Natascha Lindemann

Mein persönlicher Anspruch an meine Fotografie war immer, mehr aus meinen Ergebnissen zu machen als sie einmal zu Posten und danach nie wieder zu sehen. Mit der Veröffentlichung von Beauty- und Fashioneditorials in Magazinen erreiche ich nicht nur ein größeres Publikum, sondern verewige meine Strecken mit tollem Layout in Printmagazinen.

Die mir am häufigsten gestellte Frage ist wohl: „Wie bekomme ich mit meinen Arbeiten eine Veröffentlichung in einem Magazin?“. Ein „Patentrezept“ zu dieser doch recht anspruchsvollen Frage gibt es leider nicht. Trotzdem habe ich eine Vorgehensweise beschrieben, der ich bei den meisten Editorials folge. Diese Vorgehensweise habe ich abstrahiert und in 7 prägnante Schritte heruntergebrochen. Einen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit erhebe ich nicht, viel mehr möchte ich einen kleinen Einblick in meine persönliche Arbeits- und Vorgehensweise für Editorial-Veröffentlichungen geben.

1. Inspiration & Ideenfindung

Am Anfang steht die Frage: Wo soll es hingehen? Mit einer Fashion-Strecke in einem Magazin landen zu wollen, das nur Beauty-Strecken veröffentlicht, ist ein aussichtsloses Unterfangen. Die Magazine, in denen du dein Editorial veröffentlicht sehen möchtest, bietet dir die beste Inspiration für dein Shooting. Also schau dir beispielsweise die Vogue, Harper’s Bazaar oder das Magazin deiner Wahl aufmerksam an und versuche die verschiedenen Editorials bezüglich ihrer Rahmenbedingungen zu analysieren. Aber nicht nur im Print, sondern auch online, zum Beispiel bei Pinterest, kannst du dir tolle Inspiration holen. Mit Keywords wie „Beauty Editorial“ finden sich tausende von Bildern.

Wenn du es auf ein ganz bestimmtes Magazin abgesehen hast, ist es ratsam, dieses Magazin mit erhöhter Aufmerksamkeit auf Fotografie- und Bearbeitungsstil anzuschauen. Passt dein persönlicher Stil in die bereits veröffentlichten Strecken, erhöht das deine Chance auf eine Veröffentlichung in diesem Magazin ungemein.

Beautyfotografie © Natascha Lindemann

2. Konzeption

Nach der Ideenfindung folgt die Konzeption. Welche Ideen können in einem Shooting kombiniert werden? Was passt zusammen, was nicht? Mit den gesammelten Ideen sollte dann ein detailliertes Shooting-Konzept ausgearbeitet werden. Das Shooting-Konzept enthält klare Anweisungen für alle, die am Shooting beteiligt sind: Make-Up-Artists, Hairstylisten, Set Designer, etc.. Außerdem hilft ein gutes und ausführliches Shooting-Konzept, um bei Agenturen Vorschläge von Newcomer-Models zu bekommen. 

Beautyfotografie © Natascha Lindemann

3. Team

Das Ergebnis eines Editorial-Shootings ist nur so gut wie das Team dahinter. Bei einem Shooting müssen viele Zahnräder perfekt ineinandergreifen, damit das Ergebnis stimmt – umso wichtiger ist die Auswahl der Menschen, die das Team bilden. Klappt die Zusammenarbeit gut, können sie gemeinsam eine einzigartige bildliche Geschichte kreieren. Wohl am wichtigsten ist die richtige Wahl des Models. Aber auch der Make-Up-Artist oder ein Stylist sollte sich mit deinem Konzept identifizieren können. Gerade in der Anfangszeit und ohne Referenzen ist es schwierig, sich ein geeignetes Team zusammenzustellen. Ein professionelles Konzept kann da allerdings einige Türen öffnen.

4. Shooting

Egal ob Studio oder Outdoor – beim Shooting gibt es diese eine, wichtigste Regel: Weiche nicht vom Plan ab! Es ist wichtig, dass du ständig kontrollierst, ob du deinem aufgestellten Konzept treu bleibst. Ein gutes Editorial besticht durch eine klare Linie. Diese beizubehalten bedarf einer großen Konzentration und Disziplin, zeigt sich aber im Ergebnis. Und falls etwas nicht so klappt, wie du es dir vorgestellt hast, ändere es so lange bis du zu 100% zufrieden bist.

Beautyfotografie © Natascha Lindemann

5. Bildauswahl

Nach dem Shooting geht es an die Bildauswahl. Achte dabei darauf, dass die Bilder in der Serie gut funktionieren. Es kommt vor, dass man zwei ähnliche Bilder von verschiedenen Looks hat, wo aber Pose, Ausdruck des Models und Bildschnitt gleich sind. Einzeln betrachtet können zwar beide Bilder wunderschön sein, in einer Strecke harmonieren sie aber nicht. In einem solchen Fall ist es anzuraten, eins der beiden durch ein Bild der zweiten Wahl zu ersetzen. Auch wenn die zweite Wahl nicht so gelungen wie das Bild der ersten Wahl scheint, funktioniert das Editorial als Ganzes viel besser. 

Beautyfotografie © Natascha Lindemann

6. Bildretusche

Wenn alle Bilder ausgewählt sind geht es an die Retusche. Hierbei ist es sehr wichtig, allen Bildern einen konstant gleichbleibenden Look zu verpassen und niemals das Editorial als Ganzes aus den Augen zu verlieren. Wenn du von Anfang an ein Magazin im Auge hast, in dem du deine Serie gern veröffentlicht sehen würdest, dann achte auch darauf, ob die dort bereits veröffentlichten Editorials eher wenig retuschiert sind oder ob diese bis zur Perfektion retuschiert wurden. Das Wichtigste hierbei ist allerdings, dass es dir gefällt und du deinem Stil treu bleibst.

7. Einsenden des Editorials

Das Editorial ist fertig und der letzte, scheinbar schwierigste Schritt fehlt: Wie finde ich ein Magazin, dass mein Editorial veröffentlicht? Jedes Magazin hat unterschiedliche Anforderungen an die Form und die Art der Einsendung. Manche möchten eine PDF mit allen Bildern und Credits zur Voransicht, anderen reicht ein Dropboxlink mit den Bildern in kleiner Auflösung. Bei allen Magazinen gleich ist der Anspruch, die Strecke exklusiv als erstes zu veröffentlichen. Poste also niemals eine Strecke zum Beispiel auf Facebook oder Instagram – Kein Magazin wird sie dann noch veröffentlichen. 

Beautyfotografie © Natascha Lindemann

Es ist ratsam, sich vor der Einsendung die Richtlinien des jeweiligen Magazins durchzulesen und das Editorial entsprechend vorzubereiten. Die Infos dazu stehen meistens auf der Homepage des Magazins.

Die Qualität deiner Serie ist das wichtigste Kriterium einer Magazinveröffentlichung. Solltest du also an einem der Punkte Abstriche machen müssen, pass auf, das diese nicht die Qualität deines Ergebnissen beeinflussen würden. Auch hier gilt: Gibt dich nicht mit Kompromissen zufrieden. Mein neuestes Beautyeditorial, welches ihr hier seht, wurde mit der Canon 5D Mark III und dem SIGMA 135mm F1,8 DG HSM | Art fotografiert.

Alle Bilder dieses Beitrags in der Übersicht

Natascha Lindemann
Natascha Lindemann
Beauty & Fashionfotografin

Die Berliner Fotografin Natascha Lindemann hat sich auf Beauty und Fashionshootings spezialisiert.

„Ich liebe es, kreative und aufwendige Foto-Shootings zu konzeptionieren, planen und durchzuführen. In der Editorialfotografie lebe ich meine Kreativität aus und erreiche ich nicht nur ein größeres Publikum, sondern verewige meine Strecken mit tollem Layout in Printmagazinen.“

Facebook: @Natascha Lindemann / Instagram: @Natascha Lindemann / Website: www.nataschalindemann.de

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8 Comments

  • 28. August 2017 at 15:55 — Reply

    Hallo Natascha, das hast du wirklich super zusammengefasst! ich verfolge Deine Arbeiten mit großer Spannung und freue mich immer wieder neues von Dir zu sehen. Auch wenn wir ja gelernt haben, dass Instagram und Facebook im ersten Schritt außen vor sind 😉 Mach weiter so! 🙂

  • 28. August 2017 at 18:31 — Reply

    super spannend! gerade wenn man sich ein wenig mit der Materie und Equipment beschäftigt sind echt einige schöne Tipps dabei. Danke fürs “Wissen-teilen”

  • 28. August 2017 at 19:21 — Reply

    Toll geschriebener Blogpost! Und absoluter Neid wegen des 135mm.. 😀

  • 29. August 2017 at 15:33 — Reply

    Meag coole Beitrag. Freut mich das du dein Wissen mit uns Teilst. Liebe Grüße nach Berlin. Vielleicht sehen wir uns ja wieder einmal.

    Liebe Grüße aus Österreich

    Malcolm

  • Manuela
    29. August 2017 at 23:38 — Reply

    Hallo liebe Natasche. Danke für diesen tollen Bericht 🙂 Um solche Tipps ist doch jeder Anfänger enorm froh und dankbar!! Nun eine Frage: Ein Editorial beinhaltet immer ein gewissen Thema oder? Einen roten Faden. Man muss sein Editorial dem Magazin ja “verkaufen”. Wollte dich gerne fragen, was deine Thematik hier war? Bei den farbigen Bilder sieht man Blümchen, bei den S/W keine 😉 What was your story behind. Lieben Dank. Und Gruss

    • 30. August 2017 at 10:55 — Reply

      Hallo Manuela,
      erstmal Danke für die lieben Worte. Ich freue mich sehr das der Blogbeitrag so gut ankommt und hoffe einigen zu ihrer ersten Veröffentlichung zu verhelfen.
      Jetzt zu deiner Frage: Genau, ein Editorial sollte immer einem roten Faden folgen. In diesem Fall sind nur die farbigen Bilder zum Editorial zugehörig. Die schwarz/weißen sind beim gleichen Shooting entstanden gehören aber nicht ins Editorial. Bei einem Beautyeditorial geht es in der Regel hauptsächlich um das Make-up. Deshalb macht es meiner Meinung nach keinen Sinn schwarz/weiße Bilder in ein Beautyeditorial aufzunehmen. Bei Fashion sieht man manchmal einen Mix aus farbigen und schwarz/weißen Bildern in einer Strecke. Ich wollte damit nur ein paar mehr Ergebnisse aus dem Shooting mit dem 135mm zeigen.
      Ganz liebe Grüße
      Natascha

      • Manuela
        30. August 2017 at 18:54 — Reply

        Lieben Dank für die schnelle Antwort! 🙌🏼 Eine Frage hatte ich vorhin noch vergessen: Man benutzt jeweils dasselbe Model für die ganze Strecke? Oder ist dies keine Regel? Lieben Dank und alles Gute!:)

  • 30. August 2017 at 8:17 — Reply

    Wunderbar! Danke Natascha! 🙂

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