Wie kann ich meine Urlaubsfotos aufwerten?

Urlaubsfotografie © Antonia Moers

Letztes Jahr haben wir euch bereits 10 Tipps mit auf den Weg gegeben, was ihr bei einer Reise an Foto-Ausrüstung dabeihaben und bedenken solltet.
Nun möchte ich euch in diesem Beitrag zeigen, wie ihr eure Urlaubsfotos und auch alle anderen Aufnahmen, qualitativ aufwerten könnt. Ohne viel technisches Know-How!
Denn die Bildgestaltung während der Aufnahme ist ein wesentlicher Bestandteil der Fotografie und ich möchte euch im folgenden Beitrag einige Gestaltungsregeln näher bringen.

Da Geschmäcker bekanntlich unterschiedlich sind und es selten ein „richtig“ oder „falsch“ gibt, vorausgesetzt die Aufnahmen sind technisch einwandfrei, werde ich euch zu jeder Gestaltungsregel ein Bild zeigen mit angewendeter Gestaltungsregel und ohne (zum Vergrößern der Bilder bitte anklicken). Dann könnt ihr selbst entscheiden, was ihr schöner findet. Bedenkt aber dabei, dass sollte eine angewandte Gestaltungsregel bei einem Beispiel missfallen, dieselbe Gestaltungsregel bei einem anderen Motiv wieder sehr schön aussehen kann. Deswegen kann ich nur als Tipp mit auf dem Weg geben, wenn ihr ein Motiv gefunden habt, bei dem ihr Zeit und Muße habt, dann probiert alles aus! In der heutigen Zeit haben wir, dank der digitalen Speicherung, keinerlei Verluste! Somit ist es eine perfekte Grundlage um alle Techniken zu probieren und danach zu entscheiden, wie das Motiv am Besten in Szene gesetzt wird.

Alle Tipps die ich euch diesbezüglich geben kann, sind vollkommen unabhängig von der Technik und können mit jeder Kamera, sogar mit einer kleinen Kamera sowie einem Smartphone umgesetzt werden. Für Anfänger eignet sich vor allem ein leistungsstarkes Allround-Objektiv, wie z.B. das SIGMA 18-300mm F3,5-6,3 DC Makro OS HSM | Contemporary

Urlaubsfotografie © Antonia Moers

Hoch- oder Querformat

Bei jedem Motiv sollte man sich überlegen, ob das Motiv im Hoch- oder Querformat besser zur Geltung kommt. Denn je nach Wahl des Formats kann ein Foto mit dem gleichen Motiv eine unterschiedliche Wirkung auf den Betrachter ausüben. Längliche Motive wie z.B. ein Hochhaus, werden durch ein Hochformat unterstützt und wirken optischen länger, während selbiges Motiv im Querformat eher gestaucht wird aber dafür automatisch mehr Umgebung zeigt.

Lage des Horizontes

Besonders bei Landschaftsaufnahmen ist der Horizont ein wichtiges Element, der häufig in die Bildmitte gelegt wird, was aber leider schnell langweilig wirkt. Zusätzlich ist einer der häufigsten Fehler, dass dieser dabei leicht schief aufgenommen wird. Dabei habt ihr die Möglichkeit zu überlegen, wo man den Horizont sonst im Bild positionieren könnte. Dies ist natürlich Motiv abhängig, aber sollte man zum Beispiel einen schönen Himmel während des Fotografierens zur Verfügung zu haben, könnte man den Horizont auch weiter unten im Bild ansetzen und den Himmel mehr Raum geben. Dabei sollte man aber darauf achten, dass das Hauptmotiv genügend Gewicht im Bild findet.

Selbiges Bild kann mit einem grauen, nichtssagenden Himmel, eventuell unspannend aussehen. Genauso kann man einen Horizont auch oben im Bild ansetzen, dies kann aber schnell schwer wirken, also ist dies auch wieder motivabhängig.

Drittel-Regel

Die Drittel-Regel ist eine leichtere Variante vom „Goldenen Schnitt“. Hierbei wird das Motiv gedanklich durch je zwei horizontale und vertikale Linien geteilt und das Hauptmotiv sollte an den Schnittpunkten oder entlang einer gedachten Linie platziert werden. Ähnlich wie beim Horizont ist es häufig optisch weniger ansprechend, wenn das Motiv in die Mitte eines Bildes platziert wird. Die Drittel-Regelung ist ein gutes Hilfsmittel um die Aufnahme anders zu gestalten und gleichzeitig mehr Raum im Bild für die Umgebung zu erhalten. 

Urlaubsfotografie © Antonia Moers

Tipp: manche Kameras haben die Möglichkeit, mit Hilfe einer Funktion Hilfslinien während des Fotografierens einblenden zu lassen, dann muss man sich diese nicht vorstellen.

Perspektive

Die Perspektive ist ein entscheidender Punkt in der Bildgestaltung und ist durch das Verändern des eigenen Standpunktes zu beeinflussen. Manche glauben, dass durch die Wahl der Brennweite am Objektiv auch die Perspektive verändert werden kann. Dies stimmt aber nicht! Durch die Wahl meiner Brennweite bestimme ich den Bildwinkel, den ich abbilden kann. Vereinfacht gesagt, ob ich zum Beispiel mit der Hilfe eines Fisheyes 180° meiner Umgebung aufnehmen kann oder mit der Hilfe eines 50mm Objektives, einer Normalbrennweite bei Vollformatkameras, nur 46,8° meiner Umgebung aufnehmen kann. Dadurch wird quasi der zu sehende Bildausschnitt geändert.

Die Perspektive verändere ich durch meine Position. Die klassischste Perspektive ist die Zentralperspektive und wird aus „Augenhöhe“ fotografiert, dies bedeutet allerdings auch, dass man bei Tieren oder Kindern in die Hocke gehen muss, um sie aus Augenhöhe fotografieren zu können. Alternative Perspektiven sind die Vogel- und die Froschperspektive. Anhand der Namen kann man schon ganz gut ableiten wie diese aussehen werden. In der Vogelperspektive wird das Motiv stark von oben aufgenommen, dadurch wirkt das Motiv optisch kleiner und gestauchter. In der Froschperspektive wird stark unterhalb von der normalen Augenhöhe aus fotografiert. So wirkt jedes Motiv riesengroß, beinahe erhaben und dominant.

Bei meinen beiden Beispielen habe ich die Perspektive nur minimal verändert, dennoch ist die Bildwirkung sehr unterschiedlich. Unter anderem liegt es daran, dass durch die veränderte Perspektive auch ein größeres Schärfe/Unschärfe Spiel entsteht, trotz identischer Kameraeinstellung. Wir wäre diese erst in der Vogel- oder Froschperspektive gewesen? 

Urlaubsfotografie © Antonia Moers

 

Spiel mit der Schärfe und Unschärfe

Nun möchte ich eine Gestaltungsmaßnahme ansprechen, die definitiv nur technisch beeinflusst werden kann. Aber sie ist auch gleichzeitig ein guter Anfang, um sich mit der Technik auseinander zu setzen.
Wenn man mit der Blendeneinstellung an der Kamera rumspielt, kann man je nachdem welche kleinstmöglichste Blendenzahl man einstellen kann, sehr spannende Ergebnisse erzielen. Mir persönlich gefallen Bilder mit einem unscharfem Hintergrund deutlich besser, als Aufnahmen die von vorne bis hinten Scharf sind. Bei Werbeaufnahmen z.B. werden aber eher sehr scharfe Aufnahmen von einem Produkt benötigt, damit man jedes Detail des Produktes sehen kann. Auch bei anderen Motiven kann vollkommene Schärfe von Vorteil sein.

Wer noch keine Erfahrung im manuellen Modus hat, kann gerne seine Kamera auf einen halbautomatischen Modus stellen, den AV oder A Modus je nach Kamerahersteller. Hier bestimmt der Benutzer eine Blendenzahl und die Kamera wählt die richtige Verschlusszeit für ein korrekt belichtetes Bild. Für viel Unschärfe im Hintergrund, muss man eine sehr kleine Blendenzahl einstellen und für viel Schärfe, eine deutlich größere Blendenzahl.

Bis dahin kann ich jedem nur empfehlen einfach mal einige dieser Gestaltungsregeln aus zu probieren und euch von der jeweiligen Wirkung überraschen zu lassen!

Alle Bilder dieses Beitrags in der Übersicht

Antonia Moers
Antonia Moers
Fotografin aus Leidenschaft

Als gelernte Fotografin unterstützt Antonia das Marketing Team der SIGMA (Deutschland) GmbH mit ihrem fotografischen Fachwissen und neuen, inspirierenden Ideen. Nach Stationen in verschiedenen Fotostudios setzt sie heute gerne aufwändige Projekte verschiedener Stilrichtungen um.

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