Im Gespräch mit Fabio Antenore

Swiss Night © Fabio Antenore

Fabio Antenore ist bekannt für seine sogenannten „Timeblendings“. Für diese hyperrealen Abbilder der Natur verbringt er oft längere Zeit an einem Ort und fängt verschiedene Lichtstimmungen ein, die er dann in der Nachbearbeitung miteinander kombiniert.

Trollstigen © Fabio Antenore

Seit kurzem ist er Referenzfotograf für SIGMA. Das haben wir zum Anlass genommen, den Fotografen zu interviewen, um mehr über seine Arbeit und Motivation zu erfahren.

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Hallo Fabio! Wie bist du eigentlich zur Fotografie bekommen? Hast du eine klassische Ausbildung absolviert oder hast du deine Leidenschaft zum Beruf gemacht?

Ich bin ursprünglich Audioengineer (Tontechniker), habe viele Jahre als Live-/Konzert-Techniker gearbeitet und eine Tonstudio Genossenschaft betrieben (Geschäftsführer, Haupttechniker und Gründungsmitglid der Genossenschaft).

Meine erste DSLR Kamera habe ich mir eigentlich nur gekauft, um bei dem Dreh zu einem Musikvideo eines Künstlers, den ich betreute, etwas “behind the scenes” zu schießen. Irgendwie merkte ich dann, dass mir das Ganze Spaß macht und ich sogar noch etwas Talent habe.

Darker than the Night © Fabio Antenore

Als alles immer besser lief, und ich immer öfters gefragt wurde ob ich nicht mal einen Workshop geben möchte, habe ich mich dazu durchgerungen damit zu beginnen. Das alles ist auf so großen Anklang gestoßen, dass es bald nicht nur bei einem Workshop blieb, und ich dann sogar auf Kosten der Fotografie meinen Posten als Geschäftsführer und Techniker im Studio-6.ch aufgegeben habe, um mich hauptsächlich der Fotografie zu widmen. Zwar habe ich zurzeit noch eine 50% Anstellung im Pro-Audio Bereich, um auch in schlechteren Monaten über die Runden zu kommen, aber das wird sich in Zukunft sicherlich auch noch ändern.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich mache hyperreale Landschaftsfotografie. Es geht mir darum, Gefühle in Bilder zu verpacken, und nicht nur einfach ein Abbild der Gegebenheiten zu erstellen.

Lemont © Fabio Antenore

Wie hat sich dieser Stil mit der Zeit entwickelt?

Ich habe zu Beginn sehr viel probiert. Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht einfach “nur” Fotografieren will. Ich setzte mich immer mehr mit verschiedenen Techniken auseinander und assimilierte, was ich brauchen konnte. Wenn man erstmal ein gewisses Grundverständnis vom Fotografieren und auch den Möglichkeiten in Photoshop hat, kann man beginnen, das Ganze kreativ zu verwenden. Da kommen einem automatisch immer neue Ideen, was man anstellen kann. Dazu habe ich das Glück, dass meine Lebens- und Geschäftspartnerin ebenfalls sehr starke Bilder macht, und wir können uns so gegenseitig pushen und Ideen weiterspinnen, egal ob es um Bearbeitungs- oder Fotografietechniken geht oder um Projekte, die wir realisieren wollen.

Wer oder was inspiriert und beeinflusst dich?

Meine Partnerin “cmoon view”.
Die Natur.
Und natürlich auch andere Fotografen. Teils Leute aus meinem direktem oder indirektem Umfeld wie Hanspeter Gass, Nelson da Silva oder Simon Roppel.  Aber auch internationale Größen wie Max Rive, Dr. Nicholas Roemmelt, Michael Shainbloom oder Daniel Kordan.

Welches Equipment verwendest du? Welches ist deine liebstes / am häufigsten verwendetes SIGMA Objektiv? Warum benutzt du es so gern und für was?

Ich arbeite mit einer Nikon D810. Mein liebstes Objektiv war bisher das SIGMA 20mm F1,4 DG HSM | Art, das benutze ich immer wenn es um Milchstraßen- oder sonstige Nachtaufnahmen geht. Die unglaubliche Abbildungsleistung bei einem 20mm Objektiv mit einer Offenblende von 1,4 lässt Aufnahmen der Milchstraße in einer Qualität zu, die sonst nur mit Nachführungen erreichbar ist.

Stronger than Rocks © Fabio Antenore

Seit kurzem allerdings habe ich das neue SIGMA 12-24mm F4 DG HSM | Art, welches ich mittlerweile auf jeder Tour als Hauptobjektiv draufhabe. Es ist einfach jedes Mal wieder magisch zu erleben, was bei 12mm alles aufs Bild passt. Wo andere mit 15mm bereits Panoramen aufnehmen müssen, kann ich damit noch immer alles in einer einzigen Belichtung aufs Bild bannen.

Deine 3 Tipps für ein wirklich gelungenes Foto?

Der perfekte Ort mit dem perfekten Licht und Wetter (also die Planung).

Eine gute Komposition des Bildes. Es braucht einen Einstieg, etwas, das meinen Blick leitet, und dann einen interessanten Hintergrund. Alles im Gleichgewicht – nicht zu viel aber auch nicht zu wenig.

Und der Wille, auch etwas Aufwand zu betreiben. Das fängt beim Fotografieren an. Also GND-Filter verwenden, um das Licht zu bändigen. Eventuell einen ND-Filter, um Wasser oder Wolken weich zu zeichnen. Und darauf achten, dass das Stativ stabil steht. Weiter geht es bei der Entwicklung der Raw-Daten und dem Perfektionieren in Photoshop. Wenn es was zu Stempeln gibt, lieber etwas langsamer, aber dafür sauber arbeiten. Ich arbeite oft zwei Stunden oder länger an der Postproduktion eines Bildes.

Selfie © Fabio Antenore

Wenn du dich entscheiden müsstest: welches ist dein selbstgeschossenes absolutes Lieblingsfoto und was ist die Geschichte dahinter?

Ich habe kein eigentliches Lieblingsfoto. Das ändert sich bei mir von Tag zu Tag. Eines der erfolgreichsten 2016 (damit habe ich mehrere Contests gewonnen), ist “Purple Arch”.

Purple Arch © Fabio Antenore

Es ist ein Timeblending, geschossen letzten Sommer in Valensole, Frankreich.  Es ist etwas, das ich lange so im Kopf hatte, und richtig darauf brannte, es umzusetzen. Lavendelfelder in Verbindung mit einem Milchstraßenbogen. Das Spezielle daran ist, dass es mit zwei verschiedenen Objektiven geschossen wurde. Einmal ein 15mm Objektiv für den Vordergrund und dann natürlich das SIGMA 20mm F1,4 DG HSM | Art für die Milchstraße. Dafür habe ich 16 Belichtungen mit 20mm gemacht und als Panorama zusammengerechnet.

Gibt es ein Bild, von dem du schon ewig träumst, aber noch nie in den Kasten bekommen hast?

Ein Bild nicht wirklich, aber ganz viele Orte oder Länder.  Einige davon sind für 2017 geplant, wie Patagonien und Grönland. Andere stehen einfach auf meiner Liste wie Indonesien, Neuseeland, Australien, Dubai, Kanada, und viele, viele mehr…

Night in the Mirror © Fabio Antenore

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Vielen Dank, Fabio, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wer noch mehr über Fabio Antenore erfahren will, sollte sich auf jeden Fall seine Website http://fabioantenore.ch/ ansehen!

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