Breaking Mountain Boundaries – Part 2

© Andres Beregovich

Vergangene Woche habe ich euch schon von meinen Erfahrungen als Extreme Outdoor Fotograf mit den SIGMA Objektiven berichtet, wobei das SIGMA 150-600mm F5-6,3 DG OS HSM | Contemporary im Fokus stand. Heute geht es weiter mit dem SIGMA 20mm F1,4 DG HSM | Art und dem SIGMA 70-200mm F2,8 EX DG OS HSM. Hier könnt ihr noch einmal nachlesen unter welchen Bedingungen ich normalerweise fotografiere und auf was ich beim Zusammenstellen meiner Ausrüstung achte.

Das SIGMA 70-200mm F2,8 EX DG OS HSM

Wenn es etwas gibt, wonach ich bei einem Objektiv schaue, dann ist es die Leistungsfähigkeit bei diffusen Lichtverhältnissen. Es ist leicht, gut von einem Produkt zu sprechen, dass tolle Ergebnisse bei optimalen Verhältnissen erzielt. Aber das gleiche zu leisten, wenn die Bedingungen alles andere als ideal sind, und man immer noch mit etwas Brauchbarem nach Hause kommen will, ist eine ganz andere Geschichte.

Mit einem Preis von 1.499,- Euro (UVP) hat das 70-200mm alles, was man von einem Nikon- oder Canon-Objektiv in der Preisklasse erwarten würde, aber hier zur Hälfte des Preises. Der Motor ist geschmeidig wie Seide und leise (HSM steht für Hypersonic (Ultraschall) Motor), und der optische Bildstabilisator erweitert die Möglichkeiten der Freihandfotografie um 4 Blendenstufen.

Nun stell dir vor, du bist wieder in den Bergen, der Grat sieht traumhaft aus, bis plötzlich (wie das in den Bergen nun mal so ist) eine dicke, fette Wolke alles zudeckt. Dann musst du anfangen, Kaninchen aus dem Hut zu zaubern und das bedeutet, du musst kreativ werden mit den Mitteln, die du zur Verfügung hast.

Abgesehen von den guten technischen Eigenschaften des Objektivs ist das 70-200mm in der Lage, einzigartigen Kontrast und Schärfe zu liefern. Es kann ein zu fotografierendes Objekt sogar in diesen diffusen und nebligen Bedingungen aufstöbern und fokussieren, wo du selbst – glaub mir – dein Objekt kaum sehen kannst. Das zweite Bild in diesem Artikel zeigt auch, wie das 70-200mm großartige Farben liefert, praktisch ohne Farbsäume an den Konturen, sogar wenn du versuchst, sie ein bisschen in der Nachbearbeitung zu verstärken, und es erlaubt dir fast einen Porträtblick kombiniert mit einem mittleren Zoom, der es zu einem der beliebtesten Gläser der Sportfotografen macht.

© Andres Beregovich

Hätte ich nur einen einzelnen Tag am Berg, an dem ich wiederum nur ein Objektiv wählen könnte, wäre es mit Sicherheit dieses. Es ist ein guter Kompromiss zwischen Gewicht und Zoom, der es mir erlaubt zu klettern und Bilder zu schießen, ohne das geringste Problem, es mit einem weiteren Korpus und Objektiv zu tragen, wenn die Strecke nicht zu anspruchsvoll ist. Es ist auch gut, von Zeit zu Zeit einen komprimierteren Blick auf das Motiv zu haben, was die Aufnahmen variantenreicher macht.

Die Fähigkeit, bei wenig Licht viel zu leisten, erlaubt dir auch, Details zu erhalten in den weißen Zonen, ohne die Schatten bloßzulegen an einer Stelle, wo du keine Information retten kannst.

In diesem Bild kann man deutlich sehen, wie die Textur des Schnees gut geschützt ist, indem ein abgestufter Filter mir geholfen hat, den Himmel abzudunkeln, um eine bessere Stimmung in die Gesamtkomposition zu bringen. Ebenfalls erwähnenswert ist die abnehmbare Stativhalterung mit einem magnetischen Haltestück. Für Leute wie mich, die darauf achten, jedes überflüssige Gramm aus der Ausrüstung zu eliminieren, ist es geradezu ein Luxus, diese Halterung abnehmen zu können. Des Weiteren ist die Kappe solide gearbeitet und hat einen Klickverschluss am Ende, der einen sicheren Eindruck macht und der bei Bewegung nicht rotiert und abfällt.

Das einzige, was man bedenken sollte, wenn man das Objektiv nutzen will, ist die Tatsache, dass man nicht wirklich nah an seinem zu fotografierenden Objekt dran sein kann, während man mit anderen Objektiven ein wenig mehr Flexibilität in dieser Hinsicht hat, was bequem ist, wenn du vernünftige Entscheidungen hinsichtlich des Gewichts treffen musst. Andererseits ist es auf jeden Fall ein Objektiv, das ich bei einer normalen Ausgangsbasis für jede Art für Aufnahmen mitnehmen würde. Es gibt ein kleines Problem mit der Vignettierung (das aber leicht korrigiert werden kann) und es ist nicht so „crisp“, aber nochmal, es liefert gute Qualität ohne dein Portemonnaie über die Maßen zu strapazieren.

Ich würde mir auch den Schalter für den Bildstabilisator auf der Seite etwas größer wünschen, so dass ich ihn auch mit dicken Handschuhen benutzen könnte, aber das nur, weil ich extrem pingelig bin. Es ist ein solides Ausrüstungsstück, dem nichts etwas anhaben kann, nicht einmal in einer Tasche voller scharfer, spitzer Metallausrüstung (Steigeisen, Eisnägel etc.), was eine erhebliche Verbesserung zu den früheren Versionen des Objektivs darstellt.

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Das SIGMA 20mm F1,4 DG HSM | Art

Bisher war ein Ultra-Weitwinkel mit Blendenöffnung 1,4 in einer Brennweite weiter als 24 mm nicht zu bekommen. Nun ist das SIGMA mit 20mm Brennweite erhältlich und erlaubt einen größeren Blickwinkel bei sehr schlechten Lichtverhältnissen einzufangen. Als Teil der SIGMA Produktlinie Art überzeugt dieses Objektiv in Design und Funktion. Der Preis und die Bildqualität sind gleichermaßen attraktiv. Bevor das SIGMA 20mm F1,4 DG HSM | Art auf den Markt kam, hatte das größte Weitwinkel mit einer Brennweite weiter als 24mm Blendenöffnung 1,8. Warum das ganze Technikgeblubber? Weil es erwähnenswert ist bei einem Objektiv, das eine einzigartige Bildqualität mit einem großartigen Bokeh in einem sehr kompakten Gehäuse in sich vereint und sich dabei stabil anfühlt (und ein bisschen schwer).

Wie schon zuvor erwähnt, will ich nah an meinem zu fotografierenden Objekt in den Bergen sein und ich möchte, dass Elemente im Vordergrund größer erscheinen, während ich gleichzeitig noch eine große Menge an Informationen im Hintergrund erhalten kann. Dieses Objektiv tut genau dies und das auf eine brillante Art und Weise. Wenn man zu diesem Gemisch noch ein wenig von der Brenizer Methode dazutut (eine Panoramatechnik, mit der man eigentlich undenkbare Unschärfe-Spielereien in eine weitwinklige Fotoaufnahme bringt), dann bekommt man die Möglichkeit, einzigartige Perspektiven mit messerscharfer Auflösung zu kreieren. Das folgende Beispiel ist eine Komposition von 9 Bildern, die in der Nachbearbeitung zusammengefügt wurden. So konnte ich das Panorama krümmen, um einen eigentlich unmöglichen Winkel auf das Tal zu zeigen, während der Grat innerhalb des Bildausschnitts blieb.

© Andres Beregovich

Die chromatische Aberration in diesem Objektiv geht gegen Null, mit einem wunderschönen Kontrast um den Grat herum und eine Schattentönung, die ich nie zuvor gesehen habe. Der Übergang von dunkel nach hell ist großartig ausgeführt und ich hatte keine Probleme das Bild in der Nachbearbeitung so hart wie möglich zu ziehen, um das erwünschte Ergebnis zu erzielen.

Für nur 1.049,- Euro (UVP) bekommt man zwei FLD-Elemente und fünf SLD-Elemente mit zwei asphärischen Linsen, die mit dem gleichen – sehr leisen und schnellen – Ultraschallmotor ausgestattet sind wie das 70-200mm, was einfach perfekt ist (unheimlich leise). Naja schließlich will man ja auch eine Gegenleistung haben von diesem Objektiv, denn man braucht eine Kamera, die Aufnahmen mit einer 1/8000 Sekunde bei Blende 1,4 schafft, wenn man die Schatten dunkel genug halten will, ohne einen Filter aufzusetzen (was nicht geht, denn das Objektiv hat dafür kein Gewinde). Nun in den Bergen – und an einem sonnigen Tag – ist es fast unmöglich, dass man das Objektiv mit seiner maximalen Blende nutzt aus eben jenem Grund, aber Aufnahmen bei Blende 9 erfassen ebenso alle Details, die das Bild atemberaubend aussehen lassen.

Einen ziemlichen Sprung bei der Schärfe kann man bei Blende 2,8 und wieder bei Blende 4 sehen. Die Schärfeerhöhung bei Blende 5,6 und Blende 8 fällt etwas subtiler aus, ist aber da. Bei schlechten Lichtverhältnissen, zeigt das 20mm sein wahres Potential. Es ist ein Objektiv, mit dem man im Dunkeln arbeiten kann. Außerdem kann man außerordentliche Ergebnisse im Morgengrauen erzielen. Das Bild oben ist eine Komposition aus 12 Bildern, die um fünf Uhr morgens bei sehr wenig Licht aufgenommen wurden, und ich habe sie AUS DER HAND geschossen! Das zeigt, wie eindrucksvoll dieses Objektiv wirklich ist.

© Andres Beregovich

Nur eine Stunde später haben wir Action-Aufnahmen gemacht, wieder aus der Hand – weil ich kein Stativ dabei hatte – ohne jegliche Bedenken, weil das Objektiv genug Licht einfing, so dass ich die Geschwindigkeit bis zu einem Punkt erhöhen konnte, an dem ich das Stativ getrost vergessen konnte.

© Andres Beregovich

Das nackte Objektivbajonett zeigt leider einen Mangel im Bereich Witterungsschutz. Witterungsdichte Objektive haben normalerweise (mindestens) einen Dichtungsring, der diesen Bereich des Objektivs abdichtet. Das hat vielleicht keine Bedeutung für jemanden, der in einem Studio oder in einer geschützten Umgebung Aufnahmen macht, aber für jemanden wie mich, der unter schneereichen und eisigen Bedingungen arbeitet (meistens ist am Ende einfach alles nass), stellt dieser Mangel ein erhebliches Risiko dar.

Obwohl ich kein großer Fan von Filtern bin, sind sie manchmal angebracht und die Tatsache, dass man keinen Filter auf dieses Objektiv schrauben kann, ist ein kleiner Nachteil. Ich weiß, dass es ein paar Adapter gibt, aber die sind in der Regel wuchtig und teuer und machen für mich daher keinen Sinn.

Fazit

Vor allem war ich angenehm überrascht von meiner Auswahl und von den SIGMA Produkten insgesamt, war es doch das erste Mal, dass ich sie benutzt habe. Wie alle Qualitätsobjektive haben sie gute Seiten und Aspekte, die ich ändern würde. Aber letztendlich kann man nur die Ausrüstung wählen, die unter bestimmten Bedingungen die beste ist, und davon abhängig ist, wo man sein Fotoshooting plant. In diesem Sinne kann ich nur sagen, diese Objektive werden viele Profis sehr glücklich machen.

Alle Bilder dieses Beitrags in der Übersicht

Andres Beregovich
Andres Beregovich

Von dem Moment an, als er seine erste Kamera in den Händen hielt, wollte Andres Geschichten über seine Leidenschaften und die Schönheit des Lebens erzählen. Seitdem ist viel passiert: der chilenische Fotograph hat ein Design und Engineering Studium absolviert, wurde von National Geographics gefeatured, war Paddeln in der Antarktis, bestieg Gletscher in Patagonien und erkundete den Amazonas. Heute lebt und arbeitet er in München. Immer begleitet hat ihn jedoch seine Liebe zu Outdoor-Sportarten, Reisen und die Fotografie.

Instagram: @andresberegovich / Facebook: Andres Beregovich Photography

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