Portraitfotografie – Den eigenen Weg finden

Portraitfotografie © Jonas Hafner

In meinem letzten Artikel ging es unter anderem um Pizza, aber vor allem darum wie man überhaupt Menschen findet, die sich gerne fotografieren lassen. Hat man diese einmal gefunden, stellt sich nun die Frage wie es weiter geht.

Die Portraitfotografie verzweigt sich vielleicht noch weiter als manche Äste eines großen Baumes. Während die einen ohne Blitzlicht so hilflos sind wie Wale am Strand, bekommen die anderen beim Wort digital schon eine Gänsehaut. Ohne einen Reflektor zu einem Shooting zu fahren, ist für manche Fotografen und Fotografinnen genauso unvorstellbar wie der Gedanke für manche Models ungeschminkt das Haus zu verlassen. Und ja, manche sitzen an einem Bild länger vor Photoshop als das eigentliche Shooting Zeit in Anspruch nahm, und tauschen nicht selten ganze Körperteile aus bis ihnen das Bild gefällt. So backt jeder mit verschiedenen Zutaten und versucht seinen eigenen Stil zu finden.

Portraitfotografie © Jonas Hafner

Sich ausprobieren

Auch ich habe mir einmal einen Blitz gekauft, bis ich gemerkt habe, dass ich natürliches Licht am schönsten finde. Mein Reflektor taugte eigentlich nur als Riesenfrisbee und verschwand irgendwann unter meinem Bett, da ich ständig darüber stolperte und er mich nur am Fotografieren hinderte. Anfangs dachte ich auch, dass man nur bei Sonnenschein schöne Fotos machen kann. Einige Zeit später war ich dann der Meinung, dass gute Fotos nur dann möglich sind, wenn düstere Wolken am Himmel stehen. Wer weiß, vielleicht werde ich in Zukunft nur noch bei Schneeregen im August die Kamera in die Hand nehmen.

Portraitfotografie © Jonas Hafner

Portraitfotografie © Jonas Hafner

Das passende Objektiv finden

Ihr seht, der Weg der Fotografie kann manchmal ganz schön ambivalent sein. Man lernt dazu und hinterfragt mit der Zeit immer mehr, ob man dieses oder jenes Gimmick wirklich braucht. An einigen Dingen führt allerdings kein Weg vorbei: Neben einer Kamera ist dies vor allem ein passendes Objektiv, am besten eine Festbrennweite. Doch auch hier hat man die Qual der Wahl: Sollen es 35mm, 50mm, 85mm oder doch 105mm sein? Angefangen habe ich mit 50mm, womit ich bis heute am liebsten fotografiere. Steht nicht das Gesicht, sondern der ganze Mensch im Mittelpunkt entscheide ich mich meistens für eine der anderen Brennweiten.

Nun gilt es noch die richtige Blende einzustellen und loszulegen. Auch wenn eine große Blende verführerisch ist, sollte man sie nicht dauerhaft so offen halten wie die brasilianische Fußballmannschaft ihr Tor im Halbfinale 2014. Manchmal lohnt es sich am Rad zu drehen, denn manche Portraits werden erst durch ihren Hintergrund zu etwas Besonderem.

Portraitfotografie © Jonas Hafner

Portraitfotografie © Jonas Hafner

Einen persönlichen Stil entwickeln

Nach dem Shooting fängt für viele Fotografen die Arbeit erst richtig an. Bilder zu bearbeiten kann jedoch unglaublich viel Spaß machen. Ganz egal, ob man nur die Kontraste und die Farben leicht anpasst, so wie ich das meistens mache, oder ob man mit viel Liebe zum Detail in vielen Stunden Arbeit etwas komplett anderes daraus macht – so oder so gebt ihr euren Bildern einmal mehr eine eigene Note.

Im Endeffekt ist es egal was oder wen ihr wie oder womit fotografiert. Hauptsache ihr hört nicht auf damit. Stellt euch einfach vor eure Kamera wäre ein Hund, der ab und zu einfach raus muss, ganz gleich ob es nun regnet oder einem das Eis in der Hand schmilzt. Vergesst bloß die Leine nicht.

Portraitfotografie © Jonas Hafner

Jonas Hafner
Jonas Hafner
Amateurfotograf aus Hamburg

Der in Hamburg lebende Assistenzarzt interessiert sich insbesondere für die Portraitfotografie. Besser bekannt unter dem Pseudonym aufzehengehen, waren seine Bilder schon in verschiedenen Fotozeitschriften und zuletzt auch bei den Sony World Photography Awards in London zu sehen.

„Die Fotografie war für mich damals ein schöner Ausgleich zu meinem Studium und auch jetzt, nach all den Jahren, macht sie mir immer noch so viel Freude wie am ersten Tag. Durch sie habe ich zudem viele wunderbare Menschen kennen gelernt, die ich mittlerweile zu meinen guten Freunden zähle. Sie sind es auch, die mich antreiben und mich dazu motivieren neue Dinge auszuprobieren."

Instagram: @aufzehengehen / Website: aufzehengehen.de

2 Comments

  • 19. Juni 2016 at 18:05 — Reply

    Nicht vergessen:

    EIN PORTRAIT ist immer
    auch ein Spiegel des Fotografen!

    Welche Stimmung erzeugte wurde, zeigt sich nicht nur in den Augen und auch in der Haltung. Das Art 35mm und 50mm 1.4 sind ebenfalls meine Lieblingsobjektive, auch in der Interieurfotografie. Schade, ich bin auf Pentax K1 umgestiegen und leider gibt es das Art 50mm “noch” nicht. Ich denke und hoffe, dass sich das noch ändern wird. Tolle Bilder und ein sehr schöner Beitrag. Vielen Dank dafür.

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