Eishockey – Der schnellste Mannschaftssport der Welt

Eishockey - Der schnellste Mannschaftssport der Welt

„Ziehst du in den Krieg?“- Im Klang dieser Worte beschritt ich nach einjähriger Abstinenz von der Sportfotografie zusammen mit meiner Frau den ISS Dome in Düsseldorf. Es lockte das Karnevalsspitzenspiel der Düsseldorfer Eislauf-Gemeinschaft (DEG) gegen die Iserlohn Roosters. Harte Bodychecks, Spitzengeschwindigkeiten von 50 km/h und rund 22 Kg Torwartausrüstung – Eishockey ist nicht nur ein Vollkontaktsport, für uns Lichtbildkünstler ist der schnellste Mannschaftssports der Welt aufgrund seiner phänomenale Reaktionszeiten die Königsdisziplin der Sportfotografie. Und so standen wir da, bewaffnet mit drei Bodys, einem halben Dutzend Objektive, einem Carbon-Magnesium Stativ, Polfilter, Kamerageschirr und allerlei technischen Spielereien verteilt auf drei Taschen, bereit in die Schlacht zu ziehen.

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Auch Sportfotografen kochen nur mit Wasser

Sportfotografie ist sicher etwas Besonderes; Ausrüstung im fünfstelligen Bereich, langwierige Akkreditierungen und das Gefühl zu einer Elite von Fotografen zu gehören, schirmt viele Profifotografen von Amateuren ab. Dabei ist auch Sportfotografie im wesentlichen Kern nicht viel anders als Architektur-, Landschafts- oder Portraitfotografie. Auch sie unterliegt den physikalischen Grenzen von Blende, Verschlusszeit und ISO. Auch sie kämpft mit verschiedensten Lichtverhältnissen von der gut beleuchteten Bundesligaspielstätte bis hin zum lokalen Hallensport.

Nur Amateure können sich leisten während eines Spiels den Laufweg eines verlorenen Helms zu folgen.

Erweitert um die künstlerische Dimension von Perspektive und Motivblick mag man an dieser Stelle sogar behaupten, dass die Fotografie von Sportereignissen bei hauptberuflichen Sportfotografen leider oft durch die Brille der stetigen Monotonie gesehen wird. Das stimmt insofern, als dass die Gruppe der professionellen Fotografen dem Spielfeld verpflichtet ist. Keine Zeitung, kein Sportmagazin und kein Webportal hätten Verständnis dafür, wenn sie als Berufsfotograf im entscheidenden Moment ein Tor, einen Zweikampf oder ein Foul verpassen würden; vor allem dann nicht, wenn sie stattdessen geraden eine Spiegelung des Stadions im Plexiglas fotografieren mussten.

Das Shootout nach Overtime ist ein Pflichtmoment für jeden Sportfotografen.

Nicht umsonst sieht man in Stadien rund um den Globus die Riege der Sportfotografen auf das unmittelbare Spielfeld konzentriert, wobei, und das ist auch diesen Fotografen durchaus bewusst, ein ganzes Stadion mit Tausend verschiedenen Blickwinken und Motiven abseits des Feldes auf sie warten. Amateure dagegen haben diese Freiheit und können sich demzufolge viel freier anderen Motiven auf und um das Spielfeld widmen.

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Mit dieser Freiheit im Gepäck und einem offenen Geist trat ich im Februar mit der einfachen Bitte um eine Fotoakkreditierung an die DEG heran. „Die Suche nach neuen interessanten Themen und Motiven“, machte die DEG hellhörig und verschaffte uns zudem eine besondere Betreuung vor Ort. So versorgte man uns zunächst mit einem kompletten Zugang zu allen wichtigen Bereichen des Stadions. An dieser Stelle sollte ich anmerken, dass sich die Fotografie beim Eishockey in der Regel auf die Region um die Banden, also hinter der Plexiglasscheibe, konzentriert. Zudem haben ausgewählte Fotografen die Möglichkeit, auf eigene Gefahr und mit einem Helm ausgerüstet, zwischen den Spielbänken zu stehen und so ohne eine Scheibe vor der Kamera unmittelbar das Spielfeld einzusehen.

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Der unterschätze Zuschauerblick

Doch wieder zurück zu unserem Spieltag. Selbigen startete ich vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Themen und Motiven aus dem Logenbereich im dritten Stock mit dem lichtstarken SIGMA 120-300mm F2,8 DG OS HSM | Sports. Der Überblick von dort oben entspricht in etwa der Sicht vieler Zuschauer im Oberrang eines Stadions oder einer Halle und besticht für die Fotografie mit drei Besonderheiten.

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Zum ersten lassen sich aus dieser Perspektive mit normalen Tele-Objektiven wie dem SIGMA 70-200mm F2,8 EX DG OS HSM, Immerdrauf-Objektiven wie dem SIGMA 24-105mm F4 DG OS HSM | Art und professionellen Sport-Objektiven wie dem SIGMA 120-300mm F2,8 DG OS HSM | Sports sehr gute taktische Bilder von Spielsituationen erstellen. Durch die Draufsicht sind die Positionen von Spielern wesentlich besser erkennbar.

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Als zweites lassen sich aus dieser Position mit einem Super-Tele-Objektiv wie dem SIGMA 150-600mm F5-6,3 DG OS HSM | Contemporary oder SIGMA 150-600mm F5-6,3 DG OS HSM | Sports freie Detailbilder erstellen. Während man hinter der Bande oder vom Spielfeldrand andere Spieler oder Schiedsrichter im Weg hat, ist dies vom Oberrang kein Thema.

Ein Bully sollte immer in Serie geschossen werden man den Einwurf des Pucks einfrieren kann.

Als dritte Besonderheit eignet sich die Sicht vom Oberrang mit einem Fisheye wie dem SIGMA 8mm F3,5 EX DG Zirkular-Fisheye oder einem Weitwinkel wie dem SIGMA 20mm F1,4 DG HSM | Art oder SIGMA 24mm F1,4 DG HSM | Art perfekt um die Weite eines Stadions, die prickelnde Spieltagsatmosphäre oder ein fantastisches Panorama abzulichten. Bereits nach dem ersten Drittel hatte ich somit eine gute Auswahl von Bilder und machten mich für das zweite Drittel auf den Weg nach unten.

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In der Box mit den Profis

Unten suchte ich uns zunächst einen Platz hinter der Bande und wechselte zur Mitte des Drittels vom SIGMA 120-300mm F2,8 DG OS HSM | Sports auf das flexiblere SIGMA 24-105mm F4 DG OS HSM | Art. Hintergrund war, dass die Spieler teils sehr nahe an die Bande kamen und dass ich zusätzlich zu den Nahaufnahmen noch einige Totalen schießen wollte.

Frei nach dem Motto „Vordergrund macht Bilder rund“ kann man dabei bewusst die Bande als Rahmen in Bildern integrieren. Das finale Drittel startete ich mit dem SIGMA 20mm F1,4 DG HSM | Art und dem Einmarsch der Heimmannschaft auf das Feld. Angeführt vom Torwart ergibt sich hier immer eine besonders dynamische Szene.

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Ich hatte zudem auch das ausgesprochene Privileg den Rest des Drittels aus der Box zwischen den Spielerbänken zu beenden. Sollten Sie einmal die Gelegenheit haben ein Eishockeyspiel aus dieser Position zu fotografieren, und einen Puck mit 140km/h an Ihrem Objektiv vorbeifliegen zu sehen, so zögern Sie nicht. Der Nervenkitzel ohne schützende Glasscheibe mit einem Helm auf dem Kopf und der Kamera in der Hand ist unbeschreiblich; man zieht in den Foto-Krieg.

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Sportfotografie für Amateure

Alles in allem war das Karnevalsspiel also ein runder Abend der Sportfotografie mit besonderen Folgen und dem Tipp, dass Sie Ihren Blick nicht nur auf das Spielfeld richten sollten. Denn gerade hier liegt die Stärke der Semiprofis und Amateure. Als Fotograf ‚nur‘ in der Box oder hinter der Bande zu sein, heißt alle anderen Aussichten zu verpassen. Zudem bieten sich exotische Bilder auch immer an, wenn es darum geht als interessierter Fotograf eine Akkreditierung für sportliche Events zu bekommen. Viele Sportvereine wissen die andere Sichtweise auf ein Derby, Spieler oder Fans zu schätzen. Und gerade kleinere Vereine begrüßen ambitionierte Fotografen mit offenen Armen.

Bilder von Fans prägen die Vereinskultur und sind gern gesehen.

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Ich nutze mittlerweile bevorzugt das leichtere SIGMA 150-600mm F5-6,3 DG OS HSM | Contemporary an einer serienschnellen Cropformat-DSLR bei Heimspielen. Auch wenn Profifotografen an dieser Stelle naserümpfend die Lichtstärke des Objektivs mit Blende 5 bis 6,3 bemängeln möchten, so sei gesagt, dass ich mit diesem Objektiv und Belichtungszeiten zwischen 1/250 und 1/640 bei ISO 800 bis 1000 gestochen scharfe Bilder aus der Hand fotografieren kann. Um dagegen den Einlauf der Mannschaft vom Eis aus bei fast völliger Dunkelheit in Szene zu setzen, nutze ich eine extrem rauscharme Vollformat-DSLR mit dem derzeit lichtstärksten Weitwinkel der Welt, dem SIGMA 20mm F1,4 DG HSM | Art, und kreierte damit unter anderem ein Titelfoto für das Stadionheft.

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Sie sehen, bereits von den normalen Zuschauerrängen haben Sie beim profanen Blick auf das Spielfeld mit den verschiedensten Objektiven, vom Super-Tele bis zum Fisheye unzählige Möglichkeiten bei der Gestaltung Ihrer Sportfotografie. Lassen Sie sich dabei bitte nicht von den Kommentaren der Profis vor Ort irritieren. Zum einen fotografieren diese schon seit Jahren und kennen natürlich die Lichtverhältnisse oder Winkel vor Ort wie ihre Westentasche, zum anderen sehen diese Fotografen Sie aber vielleicht auch als mögliches Hindernis bei Ihrer Arbeit. Nicht selten sind es gerade die Amateurfotografen die Profis aus Unwissenheit vor die Kamera laufen oder die sich nicht an eingespielte Regeln vor Ort halten. Suchen Sie sich also im besten Falle einen Kollegen vor Ort, der Ihnen in einer ruhigen Minute vor dem Spiel oder in der Halbzeit- bzw. Drittelpause Tipps zu Positionen, Einstellungen und Motiven geben kann. Das ist bares Gold wert und dann sind Sie auch als Amateur ein gern gesehener Gast.

Zu guter Letzt möchte ich noch darauf verweisen, dass kein Meister vom Himmel gefallen ist. Gerade bei der Sportfotografie bleibt Ihnen nicht viel Zeit für Ihre Einstellungen. So hatte ich zum Beispiel für die Lowlight-Situation beim Einlauf der Mannschaft nur knapp 20 Sekunden Zeit. Langwierige Testserien konnte ich also gar nicht fahren und musste daher zum nächsten Heimspiel abermals aufs Eis; dann aber mit Erfolg. Seinen Sie also nicht enttäuscht, wenn das perfekte Bild nicht gleich auf Anhieb klappt und geben Sie der Sportfotografie eine Chance.

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André Sarin
André Sarin
Dozent für Fotografie an der Universität Bonn

Als indischer Rheinländer im beschaulichen Düsseldorf der 70er Jahre geboren gilt André Sarin als Kenner der Foto-Szene.
„Fotografie ist eine Leidenschaft, die ich seit analogen Zeiten mit meinen Mitmenschen teile."
Herr Sarin ist Dozent für Fotografie an der Universität Bonn und besticht durch sein themenübergreifendes Portfolio von der Architektur- über die Landschafts- bis hin zur klassischen Portraitfotografie. Er ist zudem als Businessfotograf für Unternehmen und Verbände tätig.

Email:  a.sarin@wort-lichtbild.de / Website: wort-lichtbild.de

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